MUSIK (Ital: MUSICA) DER WOCHE: Scott Matthew, Rodrigo Leao

Jetzt bin ich weit weg, in einem kleinen Albergo mitten in der südlichen Toskana! Nicht am Meer, mitten im Land. In einem kleinen italienischen Zimmer! „Casteldelpiano“ heißt der Ort. Deswegen wird es wohl auch bis Ende September etwas weniger Beiträge im Blog geben. Und trotzdem fällt mir etwas zum Blog ein! Also: In den m. E. im bequemen München unterschätzten Münchner Kammerspielen – wo sonst! – treten am Donnerstag, den 05. Oktober, also nach den Theaterferien, Scott Matthew und Rodrigo Leao auf. Es wird sicher ein eigenwilliges Konzert: Melancholie und Stimme (Scott Matthew), Tango, Pop, Klassik (Rodrigo Leao). Scott Mathew war schon einmal in den Kammerspielen, vor vier Jahren. Beide haben jetzt zusammen ein „Album“ herausgebracht. Mit dem Titel Life is long. Und genau so heißt der Song, den ich hier bringe. Der Song geht langsam los, wird aber schön. Wie das Leben hoffentlich bei vielen! Auch auf der Bühne sieht man es: Es beginnt recht dunkel und farblos und dann kommen die Farben und das Licht!

 

MUSIK DER WOCHE: Midnight Oil

Australien ist weit weg. Die Aborigines sind noch weiter weg. Die Musik der Aborigines ist ganz weit weg. Aber die Welt ist ja kleiner geworden. Letzte Woche hatte ich daher zwei Songs des (verstorbenen) australischen Aborigines Geoffrey Gurrumul Yunnupingu gebracht. Und jetzt? Im Sinne des Blogs kommt hier etwas, das dazu wiederum in Beziehung steht: Midnight Oil mit dem Song Beds are Burning:

1.  Zum Einen: Midnight Oil (HIER ihre Website) ist eine australische Band.  Am 16. Februar 2017 (17.2. in Australien) gab die Band eine Pressekonferenz auf einem Boot im Hafen von Sydney, die live in Facebook übertragen wurde. Konzerte in Amerika, Europa, Australien und Neuseeland, sowie eine ausgiebige Tour in Australien wurden für die Sommer- und Herbstmonate mit Originalbesetzung angekündigt. Für alle, die bis Ende des Jahres wieder einmal in Australien sind: HIER die Tourdaten. Der Song Beds are Burning stammt aus dem Jahr 1987.

2.  Noch besser: Der Song Beds are Burning ist ein (politisches) Lied über die Rückgabe von Land an die Pintupi, einen australischen Aborigines-Stamm! Der Stamm wurde erst in den 1930ern in der Gibsonwüste entdeckt, es folgten gewaltsame Vertreibungen in den 1950ern und 1960ern in die Siedlung Papunya. 1981 kehrte er an seinen Ursprung zurück, wo die Stammesangehörigen die Siedlung Kintore gründeten. Bei den Olympischen Sommerspielen 2000 spielte Midnight Oil den Song auf der Abschlussfeier. Speziell in Australien erregte der Auftritt Aufsehen, da Midnight Oil in schwarzer Kleidung auftraten, auf die groß und in auffälliger, weißer Schrift das Wort Sorry gedruckt war. Damit wurde der anwesende australische Premierminister John Howard daran erinnert, dass es die Pflicht der Regierung sei, sich für das geschehene Unrecht gegenüber den Aborigines zu entschuldigen, was Howard stets ablehnte.

3.  Und damit nicht genug: Zurück nach Deutschland: Der Song ist der erste Song auf dem Album „Diesel and Dust“ von der Gruppe Midnight Oil . Was für eine schöne Erinnerung an das bei uns gerade so schöne Thema des Dieselskandals und der Luftbelastung in den Städten!

HIER der Songtext.

Sommer

Hier ein kurzes Sommerpausenvideo der Münchener Kammerspiele, das erstaunlich viel sagt:

  • Das herabstürzende Wasser: Das ist das Leben. Das Leben und der Strudel, der daraus entsteht. Ohne den Strudel würde es gar nicht gehen, das Leben. Das Leben erzeugt immer Strudel (nicht Apfelstrudel).
  • Oder: Die Luftballons: Das sind wir alle. Wir setzen uns dem permanenten Strudel aus. Manche (Ballons) versuchen zu entkommen, aber es gelingt nicht. Unser Leben lang der Strudel. Wir wollen ihm im Grunde auch nahekommen. Immer nahe dran sein.
  • Oder: Die Luftballons: Wir werden wie die Ballons vom Strudel des Lebens magisch angezogen, ob wir wollen oder nicht. Wir MÜSSEN uns dem Leben aussetzen.
  • Oder: Die Luftballons: Wir nähern uns dem Strudel willens oder widerwillig, taumeln aber nur herum im Strudel.
  • Oder: Die Luftballons: Das ist die Theaterwelt (es sind ja Luftballons der Kammerspiele): Gerade sie sind es, die sich dem herabstürzenden Leben nähern. Und wir beobachten es, wenn wir Interesse haben.
  • Oder: Das Wasser hinter dem Strudel: Das Wasser – das Leben – beruhigt sich hinter dem Strudel. Jeder Strudel ist vorübergehend.
  • Oder: Das Wasser hinter dem Strudel: Wir fließen nicht einfach im ruhigen Wasser. Wir müssen uns den Kräften des Wassers/des Lebens stellen.
  • Oder: Die Luftballons: Manche berühren das herabstürzende Wasser mehr, manche weniger. Eine Frage des Mutes?
  • Oder, oder, oder. Ist doch schön, das Video.

 

MUSIK DER WOCHE: Yunupingu

Geoffrey Gurrumul Yunupingu, Aborigine. Australischer Ureinwohner. Von Geburt an blind. Jetzt in einem Krankenhaus an einem Herzinfarkt gestorben. Im Alter von 46 Jahren. Im Deutschlandradio Kultur wird der Musikjournalist Thomas Müller vom SWR 3 zitiert, durch den Yunupingu in Deutschland bekannt wurde:  Yunupingu wollte „… nicht so sehr politisch sein, das wollte er nicht. Sein Anliegen war es, die Geschichte seines Volkes weiterzutragen, und seine Botschaft lautete: Sei stark und bleib aufrecht, egal in welcher Gesellschaft du lebst.“ Informationen zu den Aborigines bietet WIKIPEDIA. Hier passen zwei schöne Songs dieser bemerkenswerten Person – man kennt seine Stimme ja nicht unbedingt. Erster Song: Wiyathul. Zweiter Song: Bapa.

MUSIK DER WOCHE: Procol Harum

Ich hatte ja vor Kurzem über meinen Besuch der Premiere von Tiefer Schweb von Christoph Marthaler in den Münchner Kammerspielen geschrieben. Wieder einmal die Kammerspiele. In dem Stück singt einer der Schauspieler – zur Begeisterung des Publikums! – das ehrwürdige Lied A Whiter Shade of Pale von Procol Harum. Es geht in dem Theaterabend ja um das Althergebrachte und die drohende Veränderungen, für die eine unterirdische Kommission nach Lösungen sucht. Grund genug, das Lied auch im Blog, der mich immer weiter durch kleine Kulturstories treibt, wieder einmal aus der Versenkung zu holen. Ist ja auch ein herrlich veraltetes Video. Und sie tragen Hemden, die man heute wahrscheinlich als Tapete cool fände:

THEATER: Friedrich Schiller, Die Räuber

Mein letzter Teil des Berliner Theatertreffens 2017: Eingeladen waren in Berlin bekanntlich (siehe meine Blogberichte) die zehn „bemerkenswertesten“ deutschsprachigen Stücke des Jahres. Die 10er-Auswahl.  Aus München war dieses Jahr ein Theaterstück eingeladen: Die Räuber von Friedrich Schiller. Es wird derzeit noch am Residenztheater gezeigt. Aus „dispositorischen“ Gründen konnte es im Mai nicht in Berlin aufgeführt werden, die Bühnenkonstruktion mit den sich kippenden und drehenden und hochfahrenden und absenkenden riesigen Laufbändern war zu aufwändig. Ich habe es jetzt in München gesehen. In der Tat das derzeit bemerkenswerteste Theaterstück in München. Mein Tipp: Rechtzeitig Karten sichern.
Es ist aus einem Grund bemerkenswert: Die bombastische, außergewöhnliche Umsetzung. Regie und Bühne von Ulrich Rasche. Musik von Ari Ben Meyers. Beides zusammen macht das Stück aus. Im Onlinetext zum Stück heißt es auf der Website des Residenztheaters dementsprechend:  „… gewaltiges Mensch-Maschinen-Musik-Theater“. Im Herbst wird es im Fernsehen auf 3sat zu sehen sein, auch das wird sich lohnen. Noch beeindruckender ist natürlich der Besuch der Vorstellung.
Geprägt ist das Stück von einigen Elementen: Den riesigen Walzen, der unglaublich hohen, dunklen Bühne, dem hochästhetischen Licht- und Eisraucheinsatz, dem durchgehend – über drei Stunden langen – fast schreienden Stimmen der ebenfalls fast durchgehend schwarz gekleideten Schauspieler und von der eindringlichen Musik: Eine Trommel, eine E-Gitarre, zwei Violinistinnen und drei Chorsänger (die sich auf der Bühne/auf den Laufbändern aufhalten). Monoton, laut, so wird das ohnehin schon Bedrängende und Rhythmische der Inszenierung „musikalisch“ auf die Spitze getrieben, durch einen Tonteppich getragen. Auch das hochästhetisch. Die Musik ist ein sehr wesentliches Element dieser Inszenierung. Ari Ben Meyers verfolgt eine besondere Philosophie zu seiner Musik: Er bespielte z. B. Ende Juni im Münchner Lenbachhaus das ganze Museum mit einer eigens geschriebenen Komposition. In jedem Raum spielten einzelne Orchestermitglieder. Man soll sich die Musik, jedes Mitglied des Orchesters, durch das Museum „ergehen“ können. Musik ist – auch hier, bei den Räubern – aus Sicht von Ari Ben Meyers eine Art Performance jedes einzelnen Musikers.  Nicht nur ein Gesamtkunstwerk.
Die Schauspieler gehen in verschiedensten Konstellationen permanent auf den Rollbändern auf die Zuschauer zu. Es wird keine Handlung geboten, es wird Text geboten. Ulrich Rasche will auch mit seinen Inszenierungen gerne besonders auf den Text abstellen. In der Tat wird der Text von allen fast verzweifelt dargeboten. Manchmal nur versteht man ihn wegen der laut „mitarbeitenden“ Musik nicht.  Das Leben nimmt jedenfalls hier für die gehenden, meistens durch Verankerungen im Boden der sich bewegenden Laufbänder gesicherten Beteiligten seinen Lauf.
Ästhetisch ist es wie die Inszenierung einer Wagner – Oper: Einerseits ergreifend, in einer Dimension, die selten im Theater zu sehen ist. Andererseits geht fast der Inhalt etwas verloren. Obwohl doch der Text mit höchsten Mitteln und vollem Einsatz der Schauspieler vom Papier auf die Bühne geholt wird! Er hallt eher nach, der Inhalt, wenn man sich damit beschäftigt. Aber auch im Nachhall verblieb mir ein ungutes Gefühl: Denn wenn man nur den alten Klassiker „Die Räuber“ einmal wieder sehen wollte, dann sah man eine hochgelungene Inszenierung. Okay, es hat ja Berechtigung, wenn man einfach einmal einen der großen Klassiker sehen will. Wenn man sich dagegen fragt, warum man sich aktuell – in unserer Zeit – „Die Räuber“ ansieht, muss man länger überlegen. Mit welchen inhaltlichen Gedanken hat man das Residenztheater verlassen? Ein aktueller Bezug wird von Ulrich Rasche absichtlich nicht geboten.
Man muss sich selber seine Gedanken machen. Die Räuber, Geschichte zweier ungleicher Brüder. Zwei Geschichten sind es eigentlich. Der eine Bruder – Karl – wird aus emotionalen Gründen – er scheint vom Vater verstoßen – Hauptmann einer Räuberbande, will die Welt verändern. „‚Die Räuber‘ erzählt die Genese einer Bewegung, die jeglicher konkreten politischen Grundlage entbehrt“, sagt Rasche im Programmheft. Karl kommt aber, als er emotional vorankommt, letztlich nicht mehr von der Bande los. Der andere – Franz – ist machtbesessen, setzt den Vater durch List außer Gefecht. Er begeht am Ende Selbstmord. Aussage? Ich könnte nicht sagen, warum Die Räuber inhaltlich gesehen aktuell aufgeführt werden.  Dennoch sehr bemerkenswert!

POLITIK: G 20 – Treffen in Hamburg

Achtung, ich setze mich jetzt einmal so richtig in die Brennesseln: „Ich habe Verständnis für die Krawalle zum G 20 Treffen in Hamburg!“ Oh Gott, jetzt bin ich bei vielen unten durch! Aber HALT, NICHT WEGKLICKEN! Wer mich kennt, weiß: Ich bin kein Radikaler oder Krawallbruder! Es geht mir nicht um ein Verständnis für die Zerstörung des Eigentums anderer! Das nicht! Ich finde nur, man redet nur über die Krawalle und Zerstörungen, nicht aber über den Grund des Ganzen.

  • Im Grunde finde ich es nur gut, dass sich die Politiker dieser wirtschaftlich und bevölkerungsmäßig stärksten Staaten der Welt (HIER eine interessante Übersicht zu den Teilnehmerstaaten) treffen und um etwas Gemeinsames ringen. (Wenn was rauskommen würde!) Mit all ihren Unterhändlern, den Vorgesprächen etc. Die weltweiten Probleme sind nur noch gemeinsam zu lösen, das ist klar. HIER übrigens dazu noch ein guter Artikel von Christiane Hoffmann (stv. Leiterin des Berlinbüros des Spiegel) auf Spiegel Online: Auf Deutsch war es der Leitartikel der letzten Printausgabe des Spiegel (28/2017) über die Berechtigung des G 20 Treffens.
  • Es gibt für mich aber ein ABER: Die Krawalle werden natürlich verurteilt. Aber dabei kann es nicht bleiben! Es wird m. E. von allen Seiten so reagiert, als hätten die Krawallbrüder einfach mal so vor dem Bundestag, vor dem Sitz der Kanzlerin, vor Schloss Bellevue o. ä. gewütet und zerstört. Das würden sie aber nicht tun, haben sie auch noch nie so getan. Dann wären die einseitig zu hörenden/lesenden entsetzten Kommentare gegen die Straftäter ja völlig gerechtfertigt. Denn bei uns führt nun einmal die Demokratie den Diskurs, Opposition findet sich im Bundestag und in anderen Parteien. Das hat sich Gott sei Dank durchgesetzt. Es gilt nun einmal das Mehrheitsprinzip, sonst funktioniert nicht viel. Und da kann die Minderheit schlecht einfach Krawall machen (obwohl es in bestimmten auch das Widerstandsrecht des Einzelnen gibt).
  • Der Punkt ist aber: Anlass der Krawalle war nicht die Bundesregierung, waren auch nicht einzelne der anwesenden Politiker. Der Anlass war die Tatsache des G 20-Treffens! Aber das wird nicht mehr Thema. Thema sind nur noch die unschönen Auswüchse der Krawalle. Die G 20 – Zusammenkunft ist in gewisser Weise aber ein Machtvakuum. Da kommt man mit „Demokratie“ nicht weit. Da hat der protestierende Mensch nun einmal nur Gewalt anzubieten. Das muss die Politik hinnehmen. Meines Erachtens ist es von der einladenden Bundesregierung deswegen einfach fahrlässig gewesen, nach Hamburg einzuladen! Schon durch diese Entscheidung wurde doch das Eigentum etc. der dort lebenden Menschen gefährdet. Das Treffen – ok, aber in Hamburg? Es ist natürlich ein bisher ungelöstes Thema, auf welcher politischen Basis all die globalen Themen gelöst werden sollen. Man kann es durchaus fragwürdig finden, dass sich nur die G 20 zusammentun. Aber darüber würde ich auch gerne einmal mehr hören: Was hat jetzt das Treffen gebracht? Was wird daraus konkret? Warum diese G 20? Warum nicht Afrika? Was ist mit den arabischen Ländern? Wäre nicht doch die UN der richtige Ort für solche Treffen? Ist es nicht schon gefährlich, dass die G 20 – Staaten NICHT klarstellen, dass sie nicht alles entscheiden können? Das sollte alles nicht verschwiegen werden! Da können auch den Politikern Vorwürfe gemacht werden. Und den Medien! Darüber muss viel mehr geredet werden, um Verständnis für solche Zusammenkünfte zu wecken. Es geht nicht einfach so nach dem Motto: „Der kleine Mann versteht sowieso nichts und die Krawallbrüder schon garnicht. Wir setzen uns gemütlich in die Philharmonie!“ Solange nicht darüber viel geredet und gestritten wird, kann ich Proteste verstehen! Das meine ich mit Verständnis. Wir brauchen wieder mehr Revolution, hört man ja manchmal.
  • Hier übrigens ein Facebook-Statement von Gregor, 26 Jahre, zum G 20 Treffen. Auch nicht uninteressant:  20 Statement Gregor