Das Berliner Stadtschloss

Man kann ab und an über den Baufortschritt des Berliner Stadtschlosses lesen. Es soll voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2019 eröffnet werden. Frage: Was war es ehemals für ein Bau? Viel Geschichte! Eine Zusammenfassung:

Beginn 1442: Es wurde 1442 im Auftrag der Markgrafen und Kurfürsten von Brandenburg auf der Spreeinsel in Alt-Cölln im heutigen Ortsteil Mitte erbaut. Als Residenz der Hohenzollern.  Das Schloss bzw. sein ältester Flügel war schon da, als Brandenburg also noch Kurfürstentum (im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation) war. Die Auflösung des Heiligen Römischen Reiches war 1806.

1640-1713: Die Stadterweiterungen der Kurfürsten (der „Große Kurfürst“ Friedrich Wilhelm I., 1640-88, und Friedrich III.) und des Königs (Friedrich I. in Preußen, 1688-1713), machten das Schloss zur Mitte der Stadt und des Landes. „Das Schloss lag nicht in Berlin – Berlin war das Schloss“, sagt Wolf-Jobst Siedler.

1702-1871: Das Schloss wurde 1702 zur königlich-preußischen und ab 1871 zur kaiserlichen Residenz im Deutschen Kaiserreich. Seit der Zeit der Weimarer Republik beherbergte es das Kunstgewerbemuseum Berlin und andere Institutionen, im Schlüterhof fanden Konzerte statt. 1950 beschloss die SED, das zum größten Teil ausgebrannte Gebäude vollständig zu beseitigen und den Marx-Engels-Platz anzulegen. Diese Vernichtung von Kulturgut wurde weltweit öffentlich kritisiert. Ab 1973 entstand auf dem Gelände des Schlosses der modernistische Palast der Republik, der wiederum zwischen 2006 und 2009 abgerissen wurde. Jetzt wird das Stadtschloss wieder aufgebaut.

Man kann sich dazu „rückwärts“ die Deutsche Geschichte vergegenwärtigen, als kleine Erinnerungshilfe:

1989: Fall der Mauer, Wiedervereinigung, 1950 – 1960: Nachkriegszeit, 1938 – 1942: II. Weltkrieg, 1918 – 1938: Weimarer Republik, 1914 – 1918: I. Weltkrieg

1871 – 1918: Deutsches Kaiserreich

Die Kaiser waren:
1871 – 1888 Kaiser Wilhelm I., Krönung zum Kaiser im Spiegelsaal von Versailles
1888 Kaiser Friedrich III.
1888 – 1918 Kaiser Wilhelm II.
Das ist nicht lange her! Mein Großvater war 1899 geboren.
1871 – 1890 war Otto von Bismarck der Reichskanzler

1870/1871: Deutsch-Französischer Krieg

1867 – 1871: Norddeutscher Bund. Die zunehmenden Spannungen zwischen den deutschen Führungsmächten Österreich und Preußen hatten sich im offenen Machtkampf entladen. Preußen siegte, so dass der Norddeutsche Bund unter preußischer Vorherrschaft gebildet wurde.

1815 – 1866: Deutscher Bund. Ein vom Kaisertum Österreich und dem Königreich Preußen dominierter Staatenbund mit 38 Staaten. Während der Revolution 1848–1849 bildete sich mit der Frankfurter Nationalversammlung das erste deutsche Parlament, das jedoch nur ein Jahr überdauerte. Der Deutsche Bund bestand bis 1866.

1814–1815: Der Wiener Kongress restaurierte weitgehend die alten monarchischen Herrschaftsverhältnisse zum Deutschen Bund, nach der Niederlage Napoleons 1815

Zeit vor Napoleon: Man liest in Wikipedia: Nach dem mit hohen Todesopfern und verbundenen Dreißigjährigen Krieg (1618–1648), der sowohl durch konfessionelle als auch durch habsburgisch-französische Gegensätze ausgelöst worden war, hatte der römisch-deutsche Kaiser infolge der Regelungen des Westfälischen Friedens und des ihm folgenden Jüngsten Reichsabschieds eine geschwächte, eher auf die Repräsentation des Reichs beschränkte Machtstellung. Die Reichsfürsten gingen dagegen gestärkt aus diesem Konflikt hervor, hatten sie mit dem Frieden sogar das Recht erhalten, mit auswärtigen Mächten Verträge abzuschließen. Das Reich wurde dadurch de facto zu einem Staatenbund, de jure blieb es bis zum Ende 1806 ein monarchisch geführtes und ständisch geprägtes Herrschaftsgebilde, in denen die einzelnen Reichsglieder jedoch weitgehend unabhängig agierten. Ab 1663 erörterten Kaiser und Reichsfürsten ihre politischen Angelegenheiten im Reichstag durch ihre Gesandten permanent.

Der politische Aufstieg Preußens im 18. Jahrhundert führte zum Konflikt mit dem Hause Habsburg. Im 17./18. Jahrhundert entwickelte sich nach französischem Vorbild der Absolutismus, der jedoch anders als dort nicht die königliche Zentralgewalt, sondern einzelne Fürstentümer zu bürokratisch organisierten, frühmodernen Staaten werden ließ. Manche Herrscher, insbesondere König Friedrich II. von Preußen, aber partiell auch seine kaiserlichen Rivalen Maria Theresia, Franz I. und Joseph II., öffneten sich dem philosophischen Zeitgeist. Dieser Zustand währte bis 1806, als Napoleon Mitteleuropa eroberte und das schwache Reichsgebilde zum Einsturz brachte. Der letzte Kaiser des nur noch formell bestehenden Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Franz II., der erst 1804 auch Kaiser des durch ihn gegründeten österreichischen Vielvölkerstaates geworden war, legte die Reichskrone nieder. Damit erlosch das Reich.

Das Foto zeigt den aktuellen Bauzustand. Die Fassade steht fast.

Linden-2

 

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