Nachtrag zu Ulysses von James Joyce

Hier sind noch ein paar grundlegende Angaben zum Wahnsinnswerk Ulysses von James Joyce:

Das Leben von James Joyce:

Geboren wurde er am 2. Februar 1882 in Rathgar, heute ein Stadtteil von Dublin. Er lebte 1882 – 1905 in Dublin, 1905 – 1914 in Triest, 1915 – 1920 in Paris und Triest und 1920 – 1941 in Paris und Zürich. Er starb am 13. Januar 1941 in Zürich

Warum im Ulysses der 16. Juni 1904?

Am 16. Juni 1904 traf Joyce seine spätere Lebensgefährtin Nora Barnacle zum ersten Mal.

Stream of consciousness:

Das Stilelement des so genannten „stream of consciousness“ (Bewusstseinsstrom) wird zum ersten Mal ZENTRALES Gestaltungselement eines Romans. Eine Erzähltechnik, die scheinbar in ungeordneter Folge Bewusstseinsinhalte einer oder mehrerer Figuren wiedergibt und den Leser umso mehr einbezieht. Es gibt keinen Erzähler, es gibt nur unmittelbar die Personen. Die Technik wurde von Leo Tolstoi für seinen Roman Anna Karenina erfunden. Beispiel auch Virginia Wolfe, Die Wellen.

Je nachdem, mit welcher Person Joyce den Bewusstseinsstrom synchronisiert, passt sich der Text der jeweiligen Person an. Handelt oder denkt etwa Stephen Dedalus, der Intellektuelle, so hebt sich das Sprachniveau, lateinische Zitate werden eingefügt, der Satzbau wird kompliziert. Fokussiert sich die Aufmerksamkeit auf drei Mädchen, so nimmt der Text die Gestalt einer spätviktorianischen  Liebes-Schmonzette an. Im 14. Kapitel („Die Rinder des Sonnengottes“) wird etwa das Wachstum eines Kindes im Mutterleib sprachlich symbolisiert, indem der Text sich vom Altsächsischen bis zur modernen hiberno-englischen Umgangssprache entwickelt. Mit Hilfe wechselnder Sprachstile vollzieht der Text gleichsam die Ontogenese der englischen Sprache bis hin zu moderner irisch-englischer Umgangssprache. Mit der Geburt des Kindes erblickt gleichzeitig die Gossensprache das Licht der Welt.

Das siebte Kapitel („Äolus”) ist vollständig in Form kurzer Zeitungsartikel verfasst.

Das letzte Kapitel, der berühmte Schlussmonolog von Blooms Frau Molly, „Penelope“ genannt, besteht aus acht langen Sätzen ohne Interpunktionszeichen, die den Leser Mollys Bewusstseinsstrom miterleben lassen.

Entstehung des Romans:

Die vollständige Erstausgabe erschien 1922, verlegt durch Sylvia Beach, Besitzerin der Buchhandlung Shakespeare and Company in Paris, gekürzt um Passagen, die als obszön galten. Die erste vollständige und von Joyce autorisierte deutsche Übersetzung durch Georg Goyert erschien 1927.

Bezug zur Odyssee:

Parallel zu Homers Versepos „Die Odyssee“ gliedert sich Ulysses in drei große Teile: Telemachie, Odyssee, Nostos. Diesen sind die 18 Episoden aus dem Epos auch thematisch zugeordnet.

Das Gorman-Gilbert-Schema:

Der Roman besitzt keine Kapitelüberschriften. Der Autor hat befreundeten Personen Schemata überlassen, die jedem Kapitel ein Organ, eine wissenschaftliche Disziplin, eine Farbe, ein Symbol, eine Technik zuordnen und die jeweiligen Protagonisten der Handlung mythischen und literarischen Personen zuordnet. Die bekannteste und umfangreichste Version dieses „Schlüssels zum Roman“ ist das so genannte Gorman-Gilbert-Schema.

Die Hörspiel CD:

23 CDs, es sprechen vor allem Dietmar Bär, Manfred Zapatka und der berüchtigte Monolog seiner Frau Molly wird gesprochen von Birgit Minichmayer.Oft wird – auch im Hintergrund – Musik eingespielt.

In den Münchner Kammerspielen soll es in der kommenden Spielzeit ein James Joyce Projekt geben.

Der Roman endet mit dem Wort “Ja”. Er beginnt im Englischen mit einem “S” und endet mit einem “s”.

Bloomsday

 

 

 

 

 

 

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