Siegfried Lenz, Deutschstunde

Eine Anregung brachte mich auf den Roman Deutschstunde des Nobelpreisträgers Siegfried Lenz. Das Werk erschien 1968 und kann als Literaturklassiker angesehen werden. Es befasst sich mit einem Szenario, das sich während und nach dem II. Weltkrieg abspielt. Das Szenario geht auf die Aussage „Wir haben doch nur unsere Pflicht getan“ ein. Es ist die Ich-Erzählung eines Jungen, der – anlässlich eines Deutschaufsatzes zum Thema „Die Freuden der Pflicht“ – aus seiner Kindheit das Geschehen um das „Malverbot“ für einen Künstler schildert. Der Maler lebte auf einem Hof an der Nordsee; der Vater des Jungen, damaliger Polizeiposten der Gegend, hatte – auf dem Nachbarhof lebend – den Auftrag, die Einhaltung des Verbotes zu überwachen. Der Hintergrund: Emil Nolde hatte während des II. Weltkrieges Malverbot bekommen (Im Roman heißt der Maler „Max Ludwig Nansen“, die Anfangsbuchstaben M und L klingen wie „Em El“, fast also „Emil“ und Nolde hieß mit bürgerlichem Namen Jansen).

Am Beispiel des Vaters prangert Siegfried Lenz die unreflektierte Autoritätsgläubigkeit eines Mitläufers im Nationalsozialismus an. Aber auch der Künstler M. L. Nansen ist nicht wirklich frei: Er kann nicht anders, als trotz des Verbots weiter zu malen und auch „unsichtbare Bilder“ entstehen zu lassen. Unfrei ist auch der Junge, der es für seine Aufgabe hält, die Bilder des Malers vor der Zerstörung zu retten. „Deutschstunde“ ist ein Plädoyer für das Gewissen, die Eigenverantwortung und die kritische Hinterfragung von Autoritäten. Ein immer aktuelles Thema. Eine umfangreiche Urlaubslektüre, eine recht konventionelle, aber sehr schöne, sehr genaue Beschreibung aller Einzelheiten, das Land, die Personen, die Geschehnisse, die Gefühlslagen. Schön zu lesen.

Wirklich sehr empfehlenswert ist seine deutlich kürzere, großartige Erzählung Die Schweigeminute!

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