THEATER: Theatertreffen Berlin 2017 – Anton Tschechow, Drei Schwestern

Wenn es einen solchen Freundeskreis gäbe: Lässig im Alltagsgeschehen, aber zugleich nebenbei intensiv, emotional, eindringlich, schlagfertig, direkt, austauschfreudig, prägnant. Bei aller Banalität. Dazwischen eine Umarmung oder ein Kuss, auch Sex, Streit, Tränen, Freude, Musik usw. Das Verhalten der jungen Truppe in diesem ausgewählten Stück ist so  lässig und normal und gegenwärtig. Und zeigt andererseits immer mehr ehrliche Emotionen, denen wir uns im wahren Leben ja selten wirklich öffnen! Wann umarmt man schon einmal jemanden? Wann gibt man schon einmal einen Kuss! Ich sicherlich zu selten! So kann aber doch das Leben sein, wenn man ganz dicht dran ist, sich dem eigenen Glück, dem Unglück, der Freude oder den Sorgen hingibt! Schon anhand Tschechows Stück wunderbar zu zeigen, in ganz moderner Zeit. Auch wenn jeder doch sehr mit sich selbst kämpft. Drei Schwestern von Anton Tschechow.

Anton Tschechow zeigt Menschen, die mit ihrer Vergangenheit nicht weiter kommen und dann – bewusst oder unbewusst – Dinge zerstören. Fast gleichgültig ist jeder am Anfang, es ist einfach ein Treffen im Ferienhaus. Was harmlos beginnt, endet aber tragisch. Das erste Stück der 10er-Auswahl des Theatertreffens 2017 wurde am Samstag im Berliner Festspielhaus aufgeführt.
Ich empfehle: Seht es Euch an, es kann in der 3Sat-Mediathek aufgerufen werden. Wie? Ganz einfach: www.3Sat.de aufrufen – dort die „Mediathek“ anklicken – dann den Reiter „Sendung verpasst“ anklicken – das Datum „Samstag, 06.05.2017“ anklicken – dann die Aufzeichnung der Aufführung „Drei Schwestern“ von Anton Tschechow anklicken und ansehen!

Oder noch einfacher: HIER klicken! Man kann es noch wenige Tage ansehen.

Oder: Nach Basel fahren, um diese Inszenierung von Simon Stone am Theater Basel anzusehen! (Warum nicht? Basel hat ja z. B. noch das schöne MUSEUM FONDATION BEYELER):

Simon Stone ist Hausregisseur am Theater Basel. Seine Bearbeitung von Ibsens „Gabriel Borkmann“ wurde von der Zeitschrift Theater heute zur besten Inszenierung 2016 gewählt und auch schon zum Theatertreffen 2016 eingeladen.

Die Bühne: Ein sich immer wieder langsam drehendes Ferienhaus mit großen Glasfronten. Ein schöner Anblick. Man hat Einsicht in alle Zimmer auf beiden Etagen und folgt so dem modernen alltäglichen Geschehen. Weihnachtsvorbereitungen etwa. Gurke schneiden etwa. Die Zimmer bieten oft gleichzeitig Szenen. Wie in unserem richtigen Leben: Gleichzeitigkeit. Die Kinder der Besitzerfamilie (Andrej und seine drei Schwestern, die zusammen das Haus geerbt haben) kommen mit Freunden zusammen.

Drei Szenen: Das erste Treffen im Frühling, die Weihnachtsfeier im Winter und der Auszug aus dem Haus im dritten Teil. Mehr und mehr wird im Kreis der Freunde aufgedeckt: Jeder für sich ist auf seine Art auf dem Weg, sein eigenes Glück, sein Leben und teils auch das Glück und das Leben anderer zu zerstören. Oder er trägt schon länger Unglück mit sich herum.

Allein Olga, die älteste der Schwestern, sie ist es, die das sieht. Sie schreit gegen Ende, wild durch das Ferienhus rennend: „Seid ihr alle vollkommen verrückt geworden??!!“ Sie kann es aber nicht aufhalten. Olga wird wahrlich fantastisch gespielt von Barbara Horvath. Aber jeder im Ensemble (etwa die anderen Schwestern Mascha – Franziska Hackl – und Irina – Liliane Amuat) besticht durch wunderbar natürliches Verhalten. Als würde man einfach einer jungen Truppe von Freunden zusehen.

Kurze Andeutungen zu einzelnen Zerstörungen des Glücks:

Mascha ist mit Theodor verheiratet, der auch anwesend ist. Sie begeht aber Ehebruch mit Alexander, dem Gast. Alexander ist auch verheiratet, hat zwei Kinder (seine Familie bewohnt ein Haus in der Nachbarschaft) und begeht somit seinerseits Ehebruch. Er erklärt Mascha gegen Ende allerdings …. auf 3Sat ansehen! Alexanders Frau wiederum, hört man später, …. auf 3Sat ansehen! Irina, die jüngste der Schwestern, trennt sich von Nikolai. Was macht Nikolai? Auf 3Sat ansehen! Andrej wiederum, der Bruder der Schwestern, ist drogensüchtig. Seinen Job hat er aufgegeben. Roman, der etwas älterer Freund im Kreis, steckt im Nihilismus/Existenzialismus fest und … auf 3Sat ansehen!
Das Ferienhaus: Die Geschwister verkaufen es. Natascha, die erste Frau von Andrej: Sie kauft das Ferienhaus und kündigt an, es schon „übermorgen“ abreißen zu lassen. Sie habe es von ihrem zweiten Mann geschenkt bekommen. Und sie erklärt ihrem ersten Mann Andrej, dass das zweite Kind … auf 3Sat ansehen.

Und mehr …. auf 3Sat ansehen!

Andrej fragt einmal sinngemäß: Suchen wir das Glück im Leben oder wollen wir es immer wieder zerstören? Wir rennen oft Dingen nach, die das Glück eher zerstören. Weil unsere Wünsche und Träume und Emotionen und Gefühle und Vergangenheit und Sehnsüchte und und und uns nach etwas anderem streben lassen.

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