LITERATUR: Lion Feuchtwanger – Erfolg

Lion Feuchtwanger – „Erfolg“: Dieses kleine, unscheinbare Heftchen, dieser bescheidene Band, kränkliches Kloblättchen, dürftige Broschüre, unscheinbares Taschenbüchlein, windiges Ding … neinnein, genau das Gegenteil ist der Fall: Dieser Brocken! Ihn hatte ich zuletzt gelesen. Weil in den Kammerspielen ja am vergangenen Wochenende die Premiere von WARTESAAL von Lion Feuchtwanger war (ich sehe es am Sonntag). Und Wartesaal heißt die Trilogie von Lion Feuchtwanger, zu der auch „Erfolg“ gehört. „Erfolg“ – „Die Geschwister Oppenheim“ – „Exil“. Aber ich war auf dem Holzweg. Der Regisseur Stefan Pucher konzentriert seine Inszenierung an den Kammerspielen auf den Roman „Exil“!  Trotzdem, es war eine gute Wahl. Jetzt kommt eben noch „Exil“ dran. Auch so ein windiges Ding, läppische fast 900 Seiten!

München in der Zeit nach dem I. Weltkrieg, erste Hälfte der Zwanziger Jahre. Lion Feuchtwanger schildert in dem Buch, wie man damals in Teilen der Münchner Gesellschaft dachte und handelte. „Erfolg“ ist ein grandioses Panorama der Zeit, in der Hitlers erster Anlauf zur Machtergreifung scheiterte. Lion Feuchtwanger war wohl der erste Schriftsteller, der das Aufkommen des Nationalsozialismus thematisierte. „Kein literarisches Werk vorher und nachher hat die Mentalität der Stadt und ihrer Bewohner so gut erfasst wie der „Erfolg“, trotz oder gerade wegen der begründeten Hassliebe, die daraus spricht“ (Franz Kotteder, Süddeutsche Zeitung, 7. Juni 2008). Was den Blick auf das Bayerische, Voralpenländische angeht, haben Feuchtwangers Beobachtungen vor allem heute noch volle Berechtigung! Sie sind zeitlos. Die Bayern bleiben die Bayern. Es ist sehr bedrückend, wie hilf- und wehrlos alle die damals aufkommenden Veränderungen gesehen und hingenommen haben. Erst kleine Veränderungen, Lappalien, Stimmungsänderungen, dann auch deutliche Veränderungen. Es wurde immer bedrückender. Aber jeder schaute auf sein eigenes Thema, sein Fortkommen. Durch das Buch zieht sich etwa die tragische Geschichte des progressiven Kunsthistorikers Dr. Martin Krüger, der wegen einer völligen Lappalie – im Grunde aber wegen mißliebiger Kunstwerke, die Krüger erwirbt und ausstellt –  ins Gefängnis kam.

Dieses Kunstskandälchen bildet […] nur den Ausgangspunkt, sozusagen den Schmetterlingsflügelschlag, aus dem sich ein Orkan von einem Roman entwickelt: ein Zeit- und Sittenbild epochalen Ausmaßes, in dem die bayerische Mentalität, die politisch-ökonomische Großwetterlage und die deutschen Zustände am Vorabend des Dritten Reichs spürbar, greifbar und schmeckbar werden. Dieser große politische Roman bleibt bei aller analytischen Schärfe stets das Werk eines Bestsellerautors. (Wilhelm Trapp, Süddeutsche Zeitung, 2. Mai 2008)

Erstaunlich wie immer ist die Zusammenfassung des Romans auf der WEBSITE von Dieter Wunderlich.

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THEATER: Gutes Wedding, schlechtes Wedding

Ein kleiner Theatertipp aus Berlin für einen lustigen Abend:

Wer wissen will, warum alles so ist, muss hin. Etwa warum Orkan mit der flotten Arzthelferin Yasemin in ein französisches Feinschmeckerrestaurant geht. Oder wer wissen will, ob beide im Restaurant tatsächlich erst einmal Ayran bestellen. Oder wer wissen will, ob die beiden Politikertypen die Kiezschlampen-Mutter Petra oder deren unangemeldet erscheinende viel attraktivere Schwester Ursula zum Abendessen bevorzugen. Oder wer die dickliche Tina erleben will oder den neuen Werbespot für eine Weddinger Druckerei sehen will, oder oder. Der sollte hingehen. Nein, auch der, der einfach lachen will. Hingehen in das Prime Time Theater in Berlin Wedding. Es läuft die 113. Folge der Sitcom „Gutes Wedding schlechtes Wedding“. Man hat einen herrlich komischen Abend vor sich. Seit 2004 (!) läuft die „einzige Theater-Sitcom der Welt“! Mit Geschichten aus Berlin – über Generationskonflikte, Selbstfindung, Dönerbuden-Lifestyle und Beziehungen aller Art. Mit jeder Menge Humor, Ironie, Selbstironie, Schauspielfreude etc. kommen immer wieder auch – heißt es – „topaktuelle Themen“ auf den Tisch. Die GWSW-Figuren spielen seit über 100 Folgen die herrliche Comedy und ziehen alles Mögliche gekonnt mit viel Klischees und Absurditäten durch den Kakao. Das Hauptfigurenpersonal ist konstant, z.B. Üwele (schwäbischer Sexkundelehrer), Orkan und Taifun (Zwillingstürken aus Kreuzberg), Sabrina (Weddings Kiezschlampe), Kalle (lispelnder Postbote), Ratte (Weddinger Punkerin) und die Prenzlwichser (egozentrische Künstlern).

Die aktuelle Folge 113 heißt „P.S. Ick liebe Dir“. HIER der link zur Website des Theaters. Sie machen es gut, eine runde Sache!

THEATER: Trajal Harrell – Juliet & Romeo und Lulu Obermayer – Manon Lescault

Sich Gedanken zu machen über das, was als selbstverständlich dasteht. Das erfrischt doch. Wir dürfen es! Sollten es sogar? Wir müssen nicht, aber wir können, wenn wir uns trauen! Wenn wir wollen. Wenn! Vor allem mit zunehmendem Alter nimmt man ja gerne die Dinge so hin, wie sie sind. Vieles ist gut, aber man kann es auch anders sehen.
Also: Jung bleiben! Wir schaffen uns selbst und anderen so viele Grenzen in unserem Leben! Wenn wir etwas machen, sind es ja Grenzen, Schlusslinien, Definitionen. Viel zu harmlos ist man da oft, wenn es darum geht, diese selbstverständlichen Grenzen einmal anzupacken. Von was wir uns alles leiten lassen! Das meiste übersehen wir ohnehin! Es heißt ja nicht gleich, alles Alte sei schlecht.
Zu einer drastischen und erfrischenden Sichtweise kann immer wieder das Theater anregen. Manche Theater jedenfalls. Etwa, finde ich, die Münchner Kammerspiele dank eines besonders offenen Programms! Die Kammerspiele in München, ein „Herd des Aufbrechens“. Kein Volkstheater, sondern Grenzerfahrungen, darum geht es dort immer wieder. Auch mit Gastauftritten. Etwa mit Milo Rau, siehe meine früheren Blogbeiträge! Getragen wird dort alles von einem Ensemble, das offenbar auch Freude an … , Engagement für … und eine offene Einstellung zu … einem solchen Programm hat!
Bei zahlreichen Stücken kann so das Aufbrechen und das Ausbrechen aus dem – gerade in München und Bayern so beliebten und ja auch in vielerlei Hinsicht berechtigten – „Ach, ist das schön“ ein gutes Stückchen weit gelingen. Sogar das Ausbrechen aus der üblichen Besichtigung angeblich „kritischer“ Theaterstücke, die dann den Zuschauer letztlich doch nur zu einer Art unbewusster Bestätigung dessen führen, was sie erleben und wie sie leben, ist manchmal gut und wird durch ein Programm wie dasjenige der Kammerspiele gefördert. Tja, das sind Gedanken!
Warum ich das schreibe? Zwei Abende haben es kürzlich wieder geschafft. Da sitzt man drin und ist baff. Am Freitag abend in den Kammerspielen die Performance „Manon Lescault“ von Lulu Obermayer. Und am Sonntag ebenda die Performance „Juliet und Romeo“ von Trajal Harrell. Beide Abende stehen sogar – wohl unbeabsichtigt – in sehr eigener Weise in tiefem Zusammenhang. Bei Lulu Obermayers „Manon Lescault“ (so der Titel einer Oper von Puccini) geht es ausschließlich um die Rolle der Frau. Obwohl im Theater und in der Oper eigentlich ja immer – oder meist – gerade das Verhältnis Mann/Frau eine Rolle spielt.  Bei Trajal Harrells „Juliet und Romeo“ wiederum geht es eigentlich um den Mann! Juliet & Romeo wird ausschließlich von männlichen Mitwirkenden gespielt. Es geht allerdings in beiden Fällen nicht um die Story!
Beides muss man einfach auf sich wirken lassen. Das genügt schon. Auch wenn ich etwas mehr schreibe. Eine herkömmliche Theaterkritik ist ohnehin nicht mein Ding und ist in diesen Fällen auch nicht angebracht. Und es handelt sich in beiden Fällen auch nicht um Sprechtheater, sondern um Performances.
(Ich schreibe hier übrigens über beides, obwohl die Performance von Lulu Obermayer – jedenfalls in München – gar nicht mehr zu sehen ist. Mache ich nicht gerne, aber beides passt durch die Themen Frau und Mann so gut zusammen.)
Zu Manon Lescault von Lulu Obermayer: Was man sieht: Lulu Obermayer, Performerin aus München, geht – mit zwei halbgefüllten Wasserkanistern in der Hand – mehr als eine Stunde lang auf der dunklen Bühne ganz bedächtig immer im Kreis und singt eine Arie aus der Oper. Im Hintergrund – auf der großen Leinwand – geht sie ebenfalls langsam – man sieht sie von hinten – durch eine Wüstenlandschaft. Genauso gekleidet. Mehr geschieht nicht! Virginia Wolfe – so im Begleittext – sagt, Frauenfiguren werden auf der Bühne immer im Verhältnis zu Männerfiguren dargestellt. Lulu Obermayer holt sie aus dieser Position heraus und gibt ihnen ein Alleinsein. Ein Weiterleben, Überleben (obwohl Manon Lescault in Puccinis Oper in der Wüste stirbt). Ohne Wasser. Hier aber, bei Lulu Obermayer, geht die Frau alleine weiter und weiter. Etwas wenig, man muss sich viel dazu denken. Lulu Obermayer will den Frauen ja eine „neue Auseinandersetzung“ gewähren. Gezeigt wird eine solche Auseinandersetzung  nicht deutlich. Das Bewusstsein des Alleinseins, des alleine Gehens, des Überlebens, das ist vielleicht die Auseinandersetzung.
Zu Juliet und Romeo von Trajal Harrell: Dieses Stück ist in dieser Spielzeit weiterhin an den Kammerspielen zu sehen. Eine Annäherung an Romeo und Julia aus völlig anderen Perspektiven. Es geht um die bei Shakespeare mit Julia und Romeo gestorbene Liebe und die Trauer darum. Trajan Harrell sitzt als die trauernde Amme am Bühnenrand bzw. tanzt dazu, drückt teils völlige Verzweiflung aus. Und er beobachtet: Was zuende ist, lebt immer weiter. Aber in Trauer. Zwei stilisierte offene Gräber im Bühnenboden. Eine Art Fashionshow, gespielt von den männlichen Schauspielern/Tänzern, verwoben mit einzelnen Momenten aus Shakespeares Drama. Mit dem Drama und der Trauer. Es bleibt die Präsentation (der Männer), ihre Überzeugung von sich, ihr Behauptungswille, ihre Widerstände, ihre Kämpfe, ihre Konkurrenz. Aber es bleibt alles neben der Trauer und der Tragödie. Man könnte sagen: Auch vor der Liebe bleiben wir immer hilflos. Ästhetisch sehr besonders, auf karger dunkler Bühne mit umso hervorstechenderen Elementen wie der Kostümierung, der Musik, den Gesten, der Eleganz der Bewegungen. Aber man muss gar nicht soviel dazu sagen („Just feel it“, sagte mir Trajal Harrell danach). Sich treiben lassen, wenn man offen ist dafür, mehr geht kaum!
Copyright des Blogbildes: Orpheas Emirzas

SCHNELL GEDACHTES: Politik

Ein paar aktuelle schnelle Gedanken: Die so genannten Sondierungsbemühungen in Berlin sind beendet.

Meine unmaßgebliche Meinung: Es ist Horst Seehofer, der letztlich Frau Merkel in den vergangenen Jahren Stück für Stück zerstört hat! Bis hin zur Regierungsunfähigkeit! Wenn der Knackpunkt – wie man hört – die Migrationspolitik war, dann, denke ich, war es doch wohl die CSU, die wahrscheinlich ganz strikt ihre Obergrenze brauchte. Wegen Seehofer!

Er musste stur bleiben. Weil er immer gesagt hat, eine Regierung ohne Obergrenze werde es nicht geben. Da wollte er jetzt besonders hart bleiben, vermute ich. Ich glaube, die FDP dagegen hätte es – da sie nicht einen solchen „Heimatdruck“ (Bayerns CSU) hat –  durchaus zu einer Lösung kommen lassen. Auch die CDU aus sich heraus! Horst Seehofer musste aber wohl den Familiennachzug für die CSU verhindern. Trotz des C im Namen CSU! Und obwohl die CSU die kleinste der Koalitionspartner gewesen wäre! Bei mageren 6 Prozent bundesweit, also knapp über der 5-Prozent-Hürde! Und obwohl es eine humanitäre Aufgabe wäre! Und obwohl man über die paar Nachzügler garnicht reden müsste! Anstatt die Integration zu fördern, DARÜBER hätten sie reden sollen! Aber Herr Seehofeer kann ja jetzt wieder zu seiner Frau fahren!

Horst Seehofer macht m. E. keine Politik, sondern Politikzerstörung. In Bayern und bundesweit! Purer Egoismus und die völlig festgefahrene Ansicht, dass seine Partei mit einer Obergrenze für die Landtagswahlen in Bayern besser gerüstet wäre. So ein verantwortungsloser Quatsch!

Gut, auch Frau Merkel muss jetzt erkennen, dass der Wähler ihr bei der Bundestagswahl zu wenige Stimmen gegeben hat! Sie steht ohne Mehrheit da! Es ist auch ihre Niederlage! Also vielleicht Neuwahlen, ok!

Auch Nikolaus Blome, stellvertretender Chefredakteur der bekanntermaßen konservativen BILD, schreibt in einem ERSTEN KOMMENTAR:

„Das große, christliche Herz vor allem der CSU, es ist klein und hart geworden.

Auch wenn die knappe Million Flüchtlinge im Jahr 2015 zu viel auf einmal waren – die 50 000 bis 60 000 überwiegend Frauen und Kinder, um die es am Ende noch ging, sind zu wenig. Zu wenig, um das wichtigste Land Europas ohne Regierung zu lassen.“

 

 

KINO: Julian Rosefeldt – Manifesto

Es gab im vergangenen und im ablaufenden Jahr eine Ausstellung „Manifesto“ mit 12 Videos. Genannt „Kunstinstallation“. Ab 23. November kommt das Ganze im Kino! Die Ausstellung war in Berlin und München zu sehen. In den Videos spielt die australische Schauspielerin Cate Blanchett 13 Rollen. Rollen, in denen sie jeweils nur ein künstlerisches Manifest spricht. Es spielen keine anderen Schauspieler (mit Text). Die Manifeste sind zusammengestellt aus existierenden künstlerischen Manifesten der letzten hundert Jahre zum Thema: Was ist Kunst? Sind die Aussagen in den Manifesten – und hier in den erstelllten „Manifestcollagen“ – heute noch verständlich? Wie hört man sie heute? Gerade dieser Kontrast zwischen den (damaligen) Manifesten und dem heutigen (Alltags-)Leben zeigt sich in den Videos.

Situationismus – Futurismus – Architektur – Blauer Reiter/Expressionismus – Kreationismus – Konstruktivismus – Dada – Surrealismus – Pop Art – Fluxus/Performance – Konzeptkunst/Minimalismus – Film.

HIER ein Interview mit dem Regisseur Julian Rosefeldt.  Der Film lohnt sich schon wegen Cate Blanchetts wirklich außergewöhnlicher Leistung  und wegen der 12 Videos insgesamt. Es heißt: „Eine Hommage an die poetische Sprengkraft der großen Künstlermanifeste der letzten hundert Jahre.“ Diese Sprengkraft wird durch das Gegenüber der Manifesttexte und der modernen Alltagssituationen auf die Spitze getrieben.

Wieder gibt es Querverbindungen: Julian Rosefeldt lernte – so liest man in der ZEIT – Cate Blanchett über THOMAS OSTERMEIER kennen. Thomas Ostermeier ist seit September 1999 Regisseur und Mitglied der Künstlerischen Leitung der SCHAUBÜHNE in Berlin. Er hat z. B: in München an den Kammerspielen das wunderbare Stück SUSN von Herbert Achternbusch inszeniert.

HIER der link zur Website zum Film und HIER der Filmtrailer.

Und hier unten als Beispiel für Cate Blanchetts wirklich beeindruckende Leistung (alles wurde innerhalb von drei – drei! – Tagen gedreht, glaube ich mich zu erinnern) noch ein Bild zu einem der Videos. Ein Bild aus dem Buch zur Ausstellung. Im Buch finden sich alle Manifestcollagen auf Englisch und in einem Beihefter auf Deutsch, plus Aufnahmen und weitere Texte zum Thema. Interessantes Buch, siehe das Blogbild. Es lohnt, erst die Manifestcollagen zu lesen und dann den Film zu sehen!

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Julian Rosefeldt, © Jens Kalaene/dpa/VG Bild-Kunst, Bonn 2017

THEATER: Berliner Volksbühne – Publikumsbeleidigung

Für den Theaterfreund: Premiere an der Berliner Volksbühne! Das erste Stück unter dem neuen, dem höchst umstrittenen Intendanten CHRIS DERCON. Fast das Ereignis des Theaterjahres. Nach dem Abgang des Intendanten Frank Castorf. Castorf war Intendant der Volksbühne seit 1992! Die Kritiken sind durchgehend verheerend! „Selten bis nie“ … liest man solch niederschmetternde, krasse Premierenkritiken. Etwa in der FAZ: Eine „Beleidigung“ für Publikum wie für Darsteller sei der Eröffnungsabend gewesen; es zeuge von höhnischem Hochmut, dazu überhaupt einzuladen. !!

HIER ein Presserundschau von Deutschlandradio Kultur. HIER die Kritik der Sueddeutschen Zeitung. HIER die Kritik der FAZ.

Es bleibt spannend an der Volksbühne! Immerhin arbeiten mit Chris Dercon so interessante Personen wie SUSANNE KENNEDY oder ALEXANDER KLUGE! Susanne Kennedy hat ja beispielsweise an den Münchner Kammerspielen zuletzt Die Selbstmord-Schwestern nach Motiven des Romans von Jeffrey Eugenides inszeniert . HIER mein damaliger Bericht im Blog. Die Inszenierung ist eine Koproduktion mit der Volksbühne Berlin, wo sie ab Frühjahr 2018 im Repertoire zu sehen sein wird.

SCHNELL GEDACHTES: mut in Bayern

Ich hatte es schon einmal erwähnt: Es gibt eine neue Partei in Bayern: mut. Finde ich interessant! „Es ist Zeit zu handeln“ war zu Beginn vor vier Monaten Slogan der Initiative. Mittlerweile gibt es den Parteinamen „mut“. Gut, wir leben im wunderbaren Bayern oder wunderbaren Deutschland. Aber viele Menschen sehen, dass es „so nicht weitergeht“. Der Wohnungsmarkt, Fragen zur Flüchtlingssituation, die soziale Schere, Sozialberufe, Pflegedienst, Klimaschutz, Kohleausstieg, Tierhaltung, Umweltschutz etc. Die Liste ist lang. Es gibt viele Punkte, die einmal neu gedacht und bearbeitet werden könnten. Mich interessiert vor allem, ob und wie es gelingen kann, Themen wirklich mit neuen Ansätzen anzugehen. Ich verfolge die Aktivitäten der neuen Partei mut und bin Mitglied geworden. Es geht darum, bestimmte Werte nicht mehr und mehr verkommen zu lassen. Die WERTE der Partei sind Schutz der Bürgerrechte/Menschenwürde, soziale Gerechtigkeit, gesellschaftliche Vielfalt, ökologische Transformation und nachhaltige Friedenssicherung/Asyl und Migration. Wen es auch interessiert, der findet hier die Kopie des letzten Mitgliederschreibens und oben den Link auf die Website der Partei. Es sind sicherlich Themen, die nicht nur Bayern betreffen.

Die Sondierungsgespräche in Berlin steuern ja auch nicht gerade auf klare Ergebnisse zu. Mal sehen.

 

Liebe Mitglieder,

neben unseren vielfältigen Aktivitäten, zuletzt z.B. der mut-Regionalkonferenz in Bamberg am 22. Oktober und der Mahnwache vor dem dortigen Aufnahme- und Abschiebelager für Geflüchtete am selben Tag, haben wir uns am letzten Oktober-Wochenende ein wenig Zeit genommen, um uns über Inhalte und Strategien mit Blick auf die bayerische Landtagswahl 2018 auszutauschen.

Im Zentrum der Diskussionen stand dabei neben organisatorischen Fragen insbesondere die Auswahl inhaltlicher Schwerpunktthemen für das kommende Jahr. Wichtig erschien uns dabei, dass wir uns im Wahljahr auf einige wenige inhaltliche Schwerpunkte konzentrieren. Auf der Klausur haben wir uns darauf geeinigt, dass wir neben einer menschenwürdigen Politik von A bis Z (Asyl bis Zuwanderung) vor allen Dingen auch die Problematik des Wohnens und der Wohnungspolitik in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken wollen, die nicht nur in den bayerischen Städten, sondern auch im ländlichen Raum immer drängender wird. Zudem wollen wir Fragen der Kinderarmut thematisieren sowie, als einen konkreten Reformbaustein, die Diskussion um die Gemeinschaftsschule konsequent vorantreiben. Natürlich gibt es Querschnittsthemen, die immer eine Rolle spielen werden – schon aus dem Selbstverständnis von mut, wie etwa das der fraglosen Anerkennung der vielfältigen Lebensentwürfe in unserer Gesellschaft. Und es gibt selbstverständlich weitere Fragen, auf die wir eine Antwort haben müssen, wie die der Energieversorgung in Bayern, die wir neben unseren aktiven Schwerpunkten systematisch weiterverfolgen werden.

All diese Fragen wollen wir immer vor dem Hintergrund unserer programmatischen Eckpunkte thematisieren und ausbuchstabieren: Die unbedingte, unteilbare und gleiche Achtung der Würde und der Rechte aller Menschen ist unsere oberste Leitlinie, ganz gleich ob es um Wohnungs- oder Schulpolitik oder jede andere Frage gesellschaftlicher Gestaltung geht.

Nach wie vor suchen wir dabei engagierte Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die mit mut nach Veränderung streben. Um bei den Landtagswahlen mit Erfolgsaussichten antreten zu können, brauchen wir Aktive, Mitglieder und Organisationsstrukturen in ganz Bayern – noch aber gibt es einige mutlose Flecken auf der bayerischen Landkarte. Wir möchten Euch daher ermutigen, Euch nach wie vor oder auch noch mehr als bislang bei uns einzubringen. Anbei findet Ihr eine Liste mit Themen – wir bitten Euch anzukreuzen, wo Ihr Euch gern einbringen würdet. Und überlegt doch bitte ganz konkret, wo Ihr Menschen kennt, die Ihr für die Ideen von mut gewinnen könnt. Für die Wahl werden wir nicht nur in allen Regierungsbezirken des Freistaats, sondern auch möglichst in allen Stimmkreisen Präsenz zeigen müssen – nicht zuletzt mit Menschen, die für mut kandidieren wollen. Also macht mit, sprecht andere an, meldet Euch bei uns, bringt Euch ein! Gemeinsam können wir es schaffen, im nächsten Landtag eine lautstarke Stimme für Menschenwürde zu sein.

Herzliche Grüße

       Stephan für den Vorstand

THEATER + TV: Friedrich Schiller – Die Räuber

Heute eine kleine Empfehlung:

Auf 3sat kann man am SAMSTAG, DEN 11.11.2017  um 20.55 Uhr eines der Stücke ansehen, die 2017 zum Berliner Theatertreffen eingeladen waren. Es lohnt sich für den Theaterfreund! Gezeigt werden dort ja jährlich die zehn beeindruckendsten Stücke deutschsprachiger Bühnen. Die Räuber von Friedrich Schiller, Inszenierung vom Münchner Residenztheater wird gezeigt. Es ist eine beeindruckende Inszenierung! Ich fand damals, es kam einer Operninszenierung nahe. Vom Bühnenbild her, von der Art der Darbietung, von der Musik! In Berlin konnte es nicht gezeigt werden wegen der Komplexität des Bühnenapparates. 3sat schreibt zurecht: Ein Klang-Raum-Sprachspektakel entsteht, dessen Sog man sich nur schwer entziehen kann. Überwältigungs-Theater. Ich hoffe nur, dass das im Fernsehen auch rüberkommt. Am besten mit Kopfhörer ansehen!

HIER der link zur 3sat-Seite über das Stück.

Davor, um 20.15 Uhr, kann man sich übrigens auch auf 3sat schon eine kleine Dokumentation über das Stück und verschiedene Inszenierungen dazu in der Reihe WAHNSINNSWERKE ansehen. Samy Deluxe hat einen Rap dazu komponiert.

HIER noch der link zur Seite des Münchner Residenztheaters zum Stück.

Copyright des Blogbildes: Andreas Pohlmann

THEATER: Branden Jacobs-Jenkins – Gloria

Es könnte doch ein Theaterabend werden, der irgendwie lohnt, dachte ich. Es geht um die moderne Arbeitswelt, hier in einer Kulturredaktion einer New Yorker Zeitschrift. Gloria heißt das Stück, von Branden Jacobs-Jenkins. Branden Jacobs-Jenkins wird in einem Interview – zu lesen bei http://www.residenztheater.de (HIER) – beschrieben als „one of the most exciting young dramatists working today,” und man zähle ihn zu den in den USA „most original and illuminating writers.” Branden Jacobs-Jenkins hat eine Zeitlang im Magazin The New Yorker gearbeitet. Ich kenne die Verlagsbranche in- und auswendig, habe fast 15 Jahre lang ausschließlich als Rechtsanwalt für das Verlagshaus BURDA gearbeitet. Ich kenne jede Abteilung.  Und: Im Stück spielen zwei neue Schauspieler des Ensembles des Residenztheaters mit: Cynthia Micas und Lilith Hässle. Also es gab  Gründe, hinzugehen.

Zum Inhalt:

Kendra, Dean, Ani und Miles arbeiten im Midtown-Office eines New Yorker Magazins. Jeder denkt nur an sich. Vieles am Job ist eigentlich (wie es oft im Stück heißt) „scheiße“. Es ist eben ein Sprungbrett für die Karriere. Auch wenn Miles nur Praktikant, Ani eigentlich Neurowissenschaftlerin und (wie die Bloggerin Kendra) auf der Suche nach neuen beruflichen Möglichkeiten eher zufällig in der Kulturredaktion des Magazins gelandet sind. Dean, der „Dienstälteste“ der Redaktion, fühlt sich als Romanautor. In Zeiten des Internets muss man immer auf dem Sprung sein und darf sich nicht zu lange an einer Position festbeißen, sonst bleibt man auf der Strecke. Deshalb beschäftigt sich jeder von ihnen mit sich und seinem eigenen Fortkommen. Eine ganz moderne Situation. Für das Magazin schreiben tut eigentlich keiner, sie haben alle kleinere Aufgaben. So kommt es, dass man die Einladung von Glorias aufwendig geplanter Einweihungsparty zur frisch bezogenen Eigentumswohnung verpasst oder überhaupt nicht ernst genommen hat. Gloria ist seit vielen Jahren in der Schlussredaktion des Magazins steckengeblieben. Sie hat keine Chance auf Veränderung und keine Freunde in und außerhalb des Jobs. Keiner von ihnen hat sich für Gloria interessiert.

Acht Monate später treffen sich Kendra und Dean im Café. Ebenso wie ihre ehemalige Chefin Nan wissen sie um die Exklusivität ihres persönlichen Schicksals als Überlebende von Glorias Amoklaufs am Tag nach ihrer Party in der Redaktion – sie erschießt manche ihrer Kollegen und sich selbst – und unternehmen alles, um ihr Überleben spektakulär zu vermarkten. Wieder: Die persönliche Karriere, der persönliche Erfolg! Ein Buch- oder Fernsehserienhit oder ein verzweifelter Amoklauf können gleichermaßen zu trauriger Berühmtheit führen, die sie ja alle weiterhin anstreben.

Also: Ein Amoklauf als letzter Aufschrei mangels jeder Art persönlichen Erfolges und sozialer Anerkennung und dann sogar der Versuch der Überlebenden, daraus Kapital zu schlagen für die eigene Karriere. Das wird gezeigt. Das Ganze vor dem Hintergrund einer recht desolat dargestellten Medienwelt (fake news!). Naja, fragwürdig. Zum Einen: Ich habe nicht erlebt, dass die Redaktionswelt sooo desolat ist. Zum Anderen: Das Stück wurde in den USA sogar für den Pulitzerpreis vorgeschlagen! Was beschwert man sich da eigentlich gegen Amokläufer, wenn die Veständlichkeit des Amoklaufes hier sogar locker und harmlos mit sozialen Defiziten unserer (Arbeits-)Welt erklärt wird und die Schleife dann sogar im Theater mit denselben fragwürdigen Marktmethoden (Stichworte Aufmerksamkeit, Ichbezogenheit, Karriere, Geld) weitergedreht wird. Es wird auf fast lustige Art gezeigt, wie es funktioniert. Aber soll es zum Nachdenken anregen? Bei mir hat das nicht gewirkt. Da muss man schon sehr kritisch rangehen, um eine Art Selbstkritik an unserer Arbeitswelt oder anderes herauszufiltern. Das Stück gibt dazu kaum etwas her. Da kommt eher braver Applaus.

Auch die Inszenierung: Sie war unspektakulär, harmlos, auch das Bühnenbild. Keine/r der SchauspielerInnen war, fand ich, besonders hervorstechend. Ihre Rollen hatten aber auch keinerlei besondere Prägnanz, keine Entwicklungslinien, keine Brüche. Es hätte um Soziales gehen können, um Amokläufe, um heutige Ichbezogenheiten, um die Medienwelt, die Arbeitswelt. Aber es wurde alles nur gestreift. Also ich weiß nicht. Im Programmheft zum Stück kommen einige interessante Aspekte zur Sprache. Auf der Bühne aber verflachte es. Da passt es, dass Donald Trump jetzt – nach dem Attentat in einer texanischen Kirche – von „Problemen mit geistiger Gesundheit“ faselt. Anstatt einmal auf die gesellschaftlichen Gründe zu schauen. Alles hätte im Stück viel viel desolater gezeigt werden müssen!

Da finde ich das politische Theater von MILO RAU interessanter, auch wenn der das Publikum geradezu quält. An äußerste Grenzen geht. Aber unsere Grenzen sind selbstgemacht und daher immer diskussionswürdig! Der hochaktive und engagierte Milo Rau ist übrigens als Nächstes am 19. November mit seinem Dokumentarfilm „Das Kongo Tribunal“ und einem anschließenden Symposium (HIER der link) zu Gast am Residenztheater. Zwei Jahre nach den tatsächlichen Anhörungen und nur wenige Tage nach seinem Kinostart am 16. November. Ist zwar ausverkauft, aber vielleicht gibt es Restkarten.

Copyright des Blogbildes: Adrienne Meister

HINWEIS: Der Header

Ich habe in der Übersicht im Header des Blogs Verklinkungen auf die Kategorien MUSIK IM BLOG, THEATER IM BLOG und THEATER IM INTERNET eingebaut. Man kann also jederzeit schnell zugreifen auf … Ich muss aber einzelne Beiträge noch in die Kategorie THEATER IM BLOG einordnen.

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