LITERATUR: Daniel Galera – So enden wir

Daniel Galera, 39 Jahre alt, lebt in Porto Alegre (link HIER). Auch die Erzählung spielt in Porto Alegre. Ich habe sie gerne und gebannt gelesen, wollte gar nicht aufhören. Es ist nicht die Spannung der Story, es ist ein Blick auf eine verrückte Crew recht junger Leute, die viel davon erleben und machen und denken, was wir alle erleben, machen, denken. Stimmung unserer Zeit. Gut geschrieben – oder übersetzt. Es ist nicht ein durchgehender stringenter Handlungsfaden, es sind verschiedene realistische Szenarien, die zusammen die Story ergeben.

Es ist eine Ich-Erzählung aus DREI verschiedenen Perspektiven. Ist schonmal recht selten! Man folgt einer Gruppe von drei noch recht jungen BrasilianerInnen (zwei Männer, eine Frau), die sich nach Jahren am Grab des gemeinsamen Freundes treffen, Andrei (genannt Duke), der am genialsten war. Ein bisschen erwachsener sind sie geworden, aber gleichzeitig auch überhaupt nicht! Gibt uns das heutige zügellose Leben überhaupt die Chance, erwachsen zu werden?

Sie waren allesamt etwa 15 Jahre zuvor schon eine wilde, intellektuelle und exzessive Truppe mit junger Anhängerschaft, die sie durch eine Flut von Emails, die sie in die Welt gesetzt hatten, und später durch einen Blog gewonnen hatten. Andrei, der Gestorbene, ein Autor, Schriftsteller, war in bestimmten Kreisen eine Kultfigur.

Auffallend ist die schöne Direktheit der Schilderungen. So ist das Leben. Sie reden nach der Beerdigung über vergangene Zeiten, man liest über das Schicksal jedes einzelnen, man folgt ihnen zu einfachen und verrückten Situationen. Viele große Themen werden dabei immer wieder zwischendrin angepackt und gesehen: Die Zerstörung der Natur, der Kapitalismus, die Werbewelt (die uns alles vorgaukelt), die Änderungen unserer Beziehungswelten, Sex, Internet, Porno, die schwelende Angst vor der Zerstörung bzw. dem aufkommenden Ende der Welt, Hoffnungslosigkeit, Glaube an die Wissenschaft, an den Menschen. Und alles immer so nebenbei. Neben dem allgemeinen Leben, das so locker und direkt und frech und schonungslos offen geschildert wird. Schwerpunkt ist am ehesten: Die Internetwelt und damit die Veränderung unserer Gefühlswelt, unserer Beziehungsfähigkeit. Antero etwa hält einen Vortrag auf einer TED-Konferenz über sadomasochistische Ansätze (Marquis de Sade) in den Ideen der Werbebranche und schaut sich danach selber Sexvideos auf einem Pornopotal an. Und so weiter.

Ich finde: Das Buch ist wild und gut, ein Treffer! Man kann es natürlich auch anders sehen, etwa HIER die Besprechung im Deutschlandradio Kultur.

HIER der link zur Suhrkamp-Seite des Buches mit Leseprobe.

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