THEATER, FILM, LITERATUR: Margarita Broich – Alles Theater. Joachim A. Lang – Meckie Messer. Bertolt Brecht – Dreigroschenoper.

Kurz zu den Zusammenhängen: Es hängt ja alles irgendwie zusammen. Das macht doch alles aus. Das meiste wird auch erst interessant, wenn man bestimmte Zusammenhänge erkennt. Zusammenhänge lassen Hintergründe erkennen und lassen die einzelnen „Verknotungen“ , die man so sieht, erst in besonderem Licht erscheinen. Überall.

Auch ein kulturelles Ereignis steht nicht für sich allein, sondern ist immer eingebunden in Zusammenhänge. Hier habe ich wieder ein Beispiel erlebt, ich war wieder unterwegs:

–  Ich hatte zuletzt geschrieben über Fotografien von Cordula Treml über SchauspielerInnen in den Minuten VOR ihrem Auftritt.  Titel der Ausstellung: „Vor dem Auftritt“. Eine Ausstellung, die derzeit (kurze Zeit) in München zu sehen ist.

– Dann hörte ich von dem Buch von der Schauspielerin und Fotografin Margarita Broich mit dem Titel „Alles Theater“, in dem sie Fotografien von SchauspielerInnen in den Minuten NACH dem Auftritt bringt. Auch interessant. Cordula Treml erwähnte es.

–  Dann hatte ich dieses Buch von Margarita Broich in den Händen. Danke an den Insel Verlag. Dort eine Abbildung des Schauspielers Lars Eidinger. Lars Eidinger ist ja äußerst erfolgreicher Theater- und Filmschauspieler. Jahrelang war er Schauspieler an der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin. In den letzten Jahren ist er vermehrt als Filmschauspieler zu sehen. Er soll ein großer Anhänger von Bertolt Brecht sein, liest man. „Die Widersprüche sind die Hoffnung“  ist sein Lieblingszitat von Bertolt Brecht. Eidinger sagt dazu in  einem Interview, das kürzlich von n-tv veröffentlicht wurde (HIER zum Interview):

„Die Widersprüche sind die Hoffnung“ ist auf jeden Fall mein absolutes Lieblingszitat von Brecht. Es ist wie der Schlüssel zu allem – zu Brechts Persönlichkeit genauso wie zum Menschsein im Allgemeinen. Das menschliche Sein folgt keiner Logik und es ist auch nicht stimmig, sondern fehlerhaft. Brecht war bekanntermaßen Antikapitalist und Kommunist. Und er hat Werbung für eine große Autofirma gemacht. Das auszuhalten und zu sagen: Genau das macht den Menschen aus! Das imponiert mir. Der Widerspruch ist nicht das Ende eines Gedankens, sondern der Anfang.

–  Dann war ich im Kino. Der FilmMeckie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“.  Darsteller von Bertolt Brecht ist: Lars Eidinger.

– Der „Dreigroschenfilm“ geht zurück auf Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“.  Es sollte eine Verfilmung der Dreigroschenoper werden. Es gab Unstimmigkeiten mit Bertolt Brecht und es ging vors Gericht. Das Thema des jetzigen Films.

Und so weiter. Ich werde wohl über die einzelnen Dinge, die hier oben erwähnt sind, noch einzeln schreiben, denke ich.

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THEATER: Vor dem Auftritt

Die Theatersaison rückt näher, der Blick wird wieder geschärft.  Es geht auch in München in Kürze wieder los.  Die Leser werden es merken. Gestern gab es  schon einmal eine Ausstellung der Fotografin Cordula Treml, gezeigt werden Aufnahmen  von SchauspielerInnen in den Minuten VOR ihren Auftritten.  Ich hatte im Vorfeld  einige Fragen an Cordula Treml, die Antworten dazu werde ich in Kürze in einem weiteren Beitrag hier bringen.

Die teilweise wunderbaren Fotografien können in verschiedenen Größen auch käuflich erworben werden. Gestern, am 13. September 2018, war die Vernissage, die Ausstellung läuft noch bis Freitag, den 21. September 2018. Sie ist zu sehen im Schauraum 1899 in der Landwehrstraße 67 in München.

Die SchauspielerInnen: Man sieht sie immer „nur“ auf der Bühne. Nie aber kurz vor oder kurz nach ihren Auftritten. Erst wiederum etwas später nach ihren Auftritten erlebe ich sie oft in den Kantinen der Theater. Doch das sind ja schon wieder ganz andere Momente. Fröhlichere Momente. Als wären sie dann wieder in ihr eigenes Leben zurückgekehrt.

Bei Cordula Treml geht es um die Momente kurz VOR einem Auftritt. Genau so interessieren mich die Momente der SchauspielerInnen kurz NACH ihren Auftritten. Auch dazu gibt es Fotografien. Ich  bemühe mich derzeit, auch Zugang zu diesen Aufnahmen zu erhalten und werde dann darüber schreiben. Die Schauspielerin und Fotografin Margarita Broich aus Berlin (bis vor kurzem war sie liiert mit dem bekannten Schauspieler Martin Wuttke) hat die Momente unmittelbar NACH den Auftritten in Fotografien erfasst. Und es gibt eine Menge interessanter Aufnahmen von SchauspielerInnen IM UMFELD ihrer Auftritte vom Münchner Fotografen Johannes Seyerlein. Auch Portraitaufnahmen. Auch zu ihm habe ich Kontakt aufgenommen. Mal sehen, inwieweit ich all diese Momente im Blog bringen kann. SchauspielerInnen neben der Bühne gewissermaßen! Vielleicht  kann ich etwas auf einer Extraseite machen. Es würde meine Theaterberichte so gut ergänzen.

Zur Ausstellung „Vor dem Auftritt“:

Schon die hier (oben und unten) gebrachten Bilder zeigen, dass besondere Situationen erfasst sind, wenn SchauspielerInnen kurz vor ihren Auftritten „erwischt“ werden. Fast alle der von Cordula Treml gebrachten Fotografien zeigen SchauspielerInnen, die sehr konzentriert, in sich gekehrt, ja fast durchgehend traurig erscheinen. Siehe das Bild oben! Möglicherweise ergibt sich ja eine gewisse Traurigkeit, wenn man fremde Schicksale auf der Bühne verkörpern will. Wer verinnerlicht schon gerne fremde Schicksale und fremde Einstellungen, SchauspielerInnen tun es! Jedes Schicksal ist auch für sich genommen irgendwie traurig! Traurig im weitesten Sinne, nicht gleich zum Weinen traurig. Vielleicht hat es auch etwas mit Demut zu tun.  Vielleicht sehen es aber junge SchauspielerInnen von heute wiederum etwas anders! Performance, Selbstverwirklichung etc! Die „Schauspielerei“ hat sich sicherlich geändert.  Es ist eben längst nicht mehr alles „Sprechtheater“.  Vielleicht wollen junge SchauspielerInnen heute viel mehr von ihrer eigenen Persönlichkeit auf die Bühne mitnehmen.

Im Katalog zur Ausstellung sind im Gegensatz zur Ausstellung selbst zu fast jedem Foto kurze Aussagen zu den Momenten vor dem Auftritt enthalten.  Michael Maertens vom Wiener Burgtheater bringt es auf den Punkt:

Ich hasse Maske. Ich brauche Maske.

Ich bin in der Maske ängstlicher als auf der Bühne. Ich will mich ja immer so gerne verstecken. Es geht in der Maske nicht. Aber auf der Bühne habe ich dann Maske und kann mich wunderbar verstecken. Dank der Maske.„

In der Maske sitzen somit zwei Personen, und genau das werden die SchauspielerInnen merken: Sie sitzen dort persönlich – vor dem Spiegel – und werden Stück für Stück verwandelt in eine andere Person. Auf der Bühne wiederum erscheint dann nur diese andere Person. Wie gesagt: Vielleicht legen junge SchauspielerInnen heute ihre eigene Person nicht mehr in der Maske ab, sondern nehmen Sie mit auf die Bühne.

Der Katalog  zur Ausstellung kann käuflich erworben werden (Euro 24), er enthält alle Aufnahmen. Wer Interesse hat, kann sich auch bei mir melden, ich würde Anfragen weiterleiten.

HIER  die Website von Cordula Treml.

Und hier noch zwei Aufnahmen (Oben: Bettina Stucky. Unten links: Sophie von Kessel. Unten rechts: Eva Meckbach). Da steckt doch auch eine gewisse Traurigkeit drin, nicht nur Anspannung, oder?

©️ aller Aufnahmen:  Cordula Treml

 

LITERATUR: Maria Duenas – Wenn ich jetzt nicht gehe

Bevor die Theatersaison wieder beginnt: Ich habe mir dieses Buch angetan, ohne irgendeine Rezension im Internet dazu zu finden.  Auch nicht auf http://www.perlentaucher.de. Dann schreibe ich eben eine. Ich bin auf das Buch gekommen, da ich in letzter Zeit mehrfach etwas von spanischen Autoren gelesen hatte und da der Insel Verlag es mir – danke! – als Rezensionsbuch  zur Verfügung gestellt hatte.

Im Klappentext des Buches heißt es:

Maria Duenas, geboren 1964, lehrte in Murcia englische Literatur, bis ihr Debütroman 2009 alle Rekorde brach. Mittlerweile ist ihr Werk in 35 Sprachen übersetzt, mehrfach ausgezeichnet und in eine Fernsehserie verwandelt. „Wenn ich jetzt nicht gehe“ ist ihr dritter Roman und war 2015 das meistverkaufte Buch Spaniens.

Also eine extrem erfolgreiche Schriftstellerin! Mein Gesamteindruck: Etwas kitschig, etwas umfangreich die Handlung, bei den Personen und ihren verschiedensten Beziehungen untereinander (über die Kontinente hinweg) bin ich fast durcheinander gekommen. Von der Idee her aber ganz interessant.  Vielleicht soll es ja geradezu lehrreich sein. Während ich es gelesen hatte, dachte ich schon, dass es sich wie ein Drehbuch liest. Und tatsächlich: Auch dieses Buch soll zu einer Serie verfilmt werden.  Die Idee hinter dieser Geschichte: Ein Mann (Mauro Larrea) steht wieder auf!  Nach dem Motto:  Hingefallen, Staub abwischen und wieder aufstehen! Er hat sehr klein angefangen, wurde sehr reich, hat plötzlich alles verloren und sich dann komplett auf ein neues Leben eingestellt.  Reisen von Mexiko nach Kuba und Spanien prägten seinen weiteren Weg. Auch dieser weitere Weg führte letztlich wieder zum Erfolg,  wenn auch auf einem völlig anderen Gebiet, als demjenigen, den er früher gewohnt war.  Also: Sich immer wieder mit Überzeugung auf Neues einlassen! Er war früher Bergarbeiter und Bergbauunternehmer und dann kam Neues.  Das ganze wird natürlich noch geschmückt von seiner Leidenschaft zu einer Frau und einer sich letztlich noch erfüllenden Liebe.

Man kann diese Geschichte erzählen, aber ein besonderer Lesereiz ist es meines Erachtens nicht! Literarisch gesehen nicht auffallend! Da finde ich einige andere Schriftsteller deutlich gewitzter und interessanter.

 

MUSIK: Tash Sultana – Jungle

Zugegeben: Ich habe gerade von ihr erstmals gelesen: Tash Sultana. Was Wikipedia über sie schreibt? Tash Sultana sei am 18. Juni 1995 in Melbourne geboren, heiße eigentlich Natasha Sultana, sei eine australisch- maltesische „Singer-Songwriterin, Multiinstrumentalistin, Beatboxing- und Looping-Künstlerin“. Das ist doch was. Sie bezeichne ihre Musik als nicht-Genre-basiert. Ihr Sound stelle eine Mischung aus Electronic Indie, Folk, Jazz, Reggae, Rock und Soul dar.

Zu Beginn ihrer Musikkarriere habe sich Tash Sultana, lese ich, mit Straßenauftritten einen Namen in der lokalen Musikszene gemacht. Bekanntheit habe sie im April 2016 erlangt, als ein Repost des von ihr im Oktober 2015 auf Facebook hochgeladenen Videos einer Liveversion ihres Songs „Jungle“ (siehe unten) innerhalb weniger Tage mehr als eine Million Aufrufe erreichte. Weitere Aufnahmen von Livesessions in ihrem Wohn- oder Kinderzimmer, den von ihr benannten „Live Bedroom Recordings“, die sie auf YouTube verbreitete, erhielten danach große Resonanz.

Wer mich gut kennt, könnte merken, dass der Song unten irgendwie mein Rhythmus ist oder – in jüngeren Jahren immer war. Betonung auf 2, nicht auf 1! Aber in meinen jungen Jahren, den wirklich jungen Jahren, war Trash Sultana ja noch nicht einmal geboren!

Tja, wieder knapp zu spät, um sie zu entdecken, sie ist schon bekannt! Aber ich konnte schlecht durch Melbourne laufen und sie als Straßenmusikantin entdecken. Ich war nie in Melbourne!

Diesen Song widme ich Hajü Staudt, der meinen Blog gerne las, wie er mir mehrmals gesagt hatte. Er ist vor wenigen Wochen völlig überraschend und viel zu früh an einem Herzinfarkt verstorben! An einem Montag morgen. Zwei Tage davor hatte er es mir noch gesagt, dass er den Blog und so.

Trash Sultana kommt nächstes Jahr für zwei Konzerte nach Deutschland: Am 26.07.2019 nach Köln und am 27.07.2019 nach Berlin! 

HIER ihre Website.

Hier also ihr Song Jungle von den Live Bedroom Recordings: