LITERATUR: Juli Zeh – Neujahr

Ich habe nach „Unter Leuten“, ihrem bekanntesten Werk, jetzt auch ihr neuestes Buch gelesen: „Neujahr“ von Juli Zeh. (HIER die kürzlich gepostete Besprechung von „Unter Leuten“).

Mein Fazit zu ihrem Roman „Neujahr“ vorweg: Ich fand den – deutlich umfangreicheren – Roman „Unter Leuten“ um Einiges interessanter. Vor allem sprachlich hat mich “Neujahr” eher gelangweilt. Viele Standardbilder, die nicht sehr überraschend beschrieben werden. Es entsteht Spannung, aber keine besondere Stimmung, fand ich.

Die Story von „Neujahr“:

Die Geschichte, die Juli Zeh in ihrem neuesten Roman „Neujahr“ erzählt, ist recht weit hergeholt. Ein Mann radelt am „Ersten Ersten“ des Jahres 2018, also an Neujahr, mit großer Anstrengung – und schlechter Ausrüstung – im Sportwahn hoch auf einen der kargen Berge von Lanzarote –  die Familie macht dort gerade Urlaub – zu einem einsam gelegenen Haus und erinnert sich (ab der Mitte des Buches) an sehr eigenartige Dinge aus seiner Kindheit. Mehr kann ich inhaltlich nicht verraten.

Meine Beurteilung von „Neujahr“:

Man merkt durchaus auch an dieser Erzählung: Juli Zeh kann so erzählen, dass man  eigentlich zu jedem Zeitpunkt wissen will, wie es weitergeht. Sie lässt immer wieder viele Dinge offen und steigert die Spannung. Man erwartet dauernd etwas. Das macht das Lesen spannend, keine Frage. Man will ja manchmal ein Buch einfach auch deswegen lesen, um abgelenkt zu werden oder ähnliches. Dann ist dieses Buch geeignet.

Mich hatte nur bei „Neujahr“ gestört, dass der Erzählstil des Romans – wie gesagt – nicht sehr einfallsreich ist. Der Roman „Unter Leuten“ wurde dagegen viel mehr davon getragen, dass Juli Zeh immer wieder plötzlich Situationen einfallsreich darstellt und mit interessanten Gedanken und Worten schildert. Da entstanden kurze, besondere Blicke auf die Dinge. Sie kann ja gut schreiben. Da steckte oft auch eine Art schelmischen Humors drin. Das fehlt dem Roman „Neujahr“ meines Erachtens. Es wird alles fast reportagemäßig geschildert. Ich lese lieber Bücher, an denen auch der Erzählstil auffällig und besonders ist. Besonders natürlich Thomas Bernard, aber auch viele andere. Es schien mir fast, als wolle Juli Zeh mit dieser Erzählung etwas üben: Sie wollte vielleicht eine einzige – nicht sehr ausgefallene – Situation genau schildern (Radfahren bei immer mehr Anstrengung, dazu immer wieder auftretende Beklemmungen des Protagonisten („Es“) und eine Erinnerung an ein verdrängtes Kindheitserlebnis. Und alles in vielen kurzen Sätzen. Das ist der Stil dieser Erzählung: Kurze Sätze. Auch das hat mir persönlich nicht so gefallen.

HIER die Onlineseite des Verlages Luchterhand zum Buch.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s