THEATER: Lion Feuchtwanger – Wartesaal

Was Theater kann? Beispielsweise das kann man sagen:
„Wie alt ein Stück auch sein mag, wie futuristisch oder naturalistisch das Bühnenbild, wie realistisch oder theatralisch der Spielstil: Schauspieler und Zuschauer sind Zeitgenossen. Dies bietet dem Theater enormes Potenzial, nämlich, mit jeder Vorstellung von neuem mit dem Zuschauer das Gespräch zu suchen über die Zeit, in der wir leben. Es gibt keine Kunstform, die diesen „Bewusstseinsbonus“ mehr in sich trägt als das Theater. Es gibt für mich nichts schöneres als Zeuge zu sein, wie Schauspieler und Zuschauer zusammen aus toter Materie ein lebendes Gespräch entstehen lassen.“

(Brief an das Publikum, Kammerspiele Spielzeit 2010/2011)

Und  wie siehts mit „Wartesaal“ von Lion Feuchtwanger aus? Ich habe es jetzt gesehen.

„Wartesaal“ ist inszeniert von Stefan Pucher, wird derzeit an den Münchner Kammerspielen gezeigt. Die Trilogie (Erfolg – Geschwister Oppermann – Exil) über die Zeit des Aufkommens der Nazis vor dem II. Weltkrieg. Tote Materie. Gut, man könnte sagen, auch heute kommt irgendetwas auf uns zu, die Dinge ändern sich, wir schauen nur zu. Aber die Inszenierung (es geht um den Teil „Exil“) gehört m. E. wahrlich nicht zu den Stücken, die den obigen engagierten Sätzen über Theater gerecht werden.
Um nicht falsch verstanden zu werden: „Wartesaal“ ist eine durchaus beeindruckende Nacherzählung des umfangreichen Romans „Exil“ von Lion Feuchtwanger. Ich hatte ihn davor gelesen. Manche finden die Inszenierung gar fulminant, man liest etwa:
Es war endlich wieder einmal einer dieser unvergesslichen Abende, die unauslöschlich im Bewusstsein bleiben, nicht nur, weil eine große und großartige Botschaft in die Welt gebracht wurde, sondern weil erlebbar war, welche bewegende Kraft gutes Schauspiel haben kann (Wolf Bernatzki, www.theaterkritiken.com).
Oder die Münchner Abendzeitung: Sie hat die Inszenierung zum Theaterstück des Jahres gekürt – der kulturelle Münchner Höhepunkt des Jahres 2017 im Bereich Theater!
Andere sind nicht so überzeugt, etwa die Süddeutsche Zeitung, etwa die neue Zürcher Zeitung (siehe die Kritikenrundschau auf www.nachtkritik.de).
Ich sage nicht: „Fulminant!“ Ich würde sagen: „Eine schöne Inszenierung“, mehr nicht. Die Inszenierung wird m. E. aber einem irgendwie gearteten progressiven Charakter – dem Charakter der Kammerspiele – nicht gerecht. Das ist nicht harte Kritik, es ist meine Erfahrung nur. Progressiv im Sinne von: Man wird angeregt, man denkt nach, man sieht Dinge neu, anders, sieht Dinge aus anderer Perspektive, erhält neue Perspektiven, es kann unbequem sein, kann stören, man wird manchmal leicht oder stark gerüttelt und so weiter. Aber was derart Progressives angeht, hatte ich nach diesem Abend sogar gedacht: Diese Inszenierung ist der Kammerspiele nicht würdig! Das spricht nicht gegen die Inszenierung! Wer den Roman nicht kennt, wird wunderbar durchgeführt. Es kann auch beeindruckende Inszenierungen dieser nur „darstellenden“ Art geben, keine Frage. Es geht nicht immer um „politisches Theater“. Ich meine nur, dass man sich hier leider als Zuschauer nicht mit progressiver Darstellung irgendeiner Art oder aufrüttelnden Gedanken oder ähnlichen Anreizen auseinandersetzen musste/konnte. Es ist brav. Brav auf sehr hohem Niveau!
Und wenn ich etwas zur Inszenierung sagen kann: Sie ist in jedem Detail schön gemacht. Das Bühnenbild etwa: Dieser gekachelte Wartesaal, diese mehrfachen Ebenen. Aber auch dort, finde ich, wären deutlichere Wege möglich gewesen. Zu brav. Gut, ich war vorbelastet durch das Lesen des Romans. Liest sich ja nicht an einem Tag! (Schöner und meine Erachtens eindringlicher geschrieben ist übrigens der Roman „Erfolg“!). Ich hatte auch eine deutlichere Orientierung in der damaligen Zeit erwartet. Erst der vorletzte Teil, in dem Annette Paulmann vor geschlossener Bühnenwand (auf die Bilder der damaligen Zeit projiziert werden) über die Exilanten der damaligen Zeit liest/spricht, holt den Zuschauer deutlich in die damalige Zeit. Schön, wie die Schauspieler des Ensembles in die Bilder integriert werden.
Oder die schauspielerischen Leistungen: Gut und brav zum Großteil! Samouil Stoyanov und Maja Beckmann haben mich am meisten beeindruckt. Ich finde, Sepp Trautwein (Samouil Stoyanov), um den sich letztlich alles dreht, hätte – so habe ich den Roman vor Augen – mehr Raum in der Inszenierung verdient gehabt. Zumal dann die wunderbare Leistung von Samouil Stoyanov verdientermaßen hervorstechen hätte können. Schade. Julia Riedler hatte es dagegen schwer: Drei Rollen, aber die unterschiedlichen Charaktere wurden bei ihr m. E. nicht richtig deutlich. Auch schade! Ich war vorbelastet!
Auch die Videotechnik war interessant eingesetzt. Immer zugunsten der Schauspieler!
Ich werde es noch einmal ansehen, wie so oft! Schön und auf seine Art sehr gelungen ist es allemal!
Copyright des Beitragsfotos: Arno Declair, Kammerspiele
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SCHNELL GEDACHTES: Politik

Ein paar aktuelle schnelle Gedanken: Die so genannten Sondierungsbemühungen in Berlin sind beendet.

Meine unmaßgebliche Meinung: Es ist Horst Seehofer, der letztlich Frau Merkel in den vergangenen Jahren Stück für Stück zerstört hat! Bis hin zur Regierungsunfähigkeit! Wenn der Knackpunkt – wie man hört – die Migrationspolitik war, dann, denke ich, war es doch wohl die CSU, die wahrscheinlich ganz strikt ihre Obergrenze brauchte. Wegen Seehofer!

Er musste stur bleiben. Weil er immer gesagt hat, eine Regierung ohne Obergrenze werde es nicht geben. Da wollte er jetzt besonders hart bleiben, vermute ich. Ich glaube, die FDP dagegen hätte es – da sie nicht einen solchen „Heimatdruck“ (Bayerns CSU) hat –  durchaus zu einer Lösung kommen lassen. Auch die CDU aus sich heraus! Horst Seehofer musste aber wohl den Familiennachzug für die CSU verhindern. Trotz des C im Namen CSU! Und obwohl die CSU die kleinste der Koalitionspartner gewesen wäre! Bei mageren 6 Prozent bundesweit, also knapp über der 5-Prozent-Hürde! Und obwohl es eine humanitäre Aufgabe wäre! Und obwohl man über die paar Nachzügler garnicht reden müsste! Anstatt die Integration zu fördern, DARÜBER hätten sie reden sollen! Aber Herr Seehofeer kann ja jetzt wieder zu seiner Frau fahren!

Horst Seehofer macht m. E. keine Politik, sondern Politikzerstörung. In Bayern und bundesweit! Purer Egoismus und die völlig festgefahrene Ansicht, dass seine Partei mit einer Obergrenze für die Landtagswahlen in Bayern besser gerüstet wäre. So ein verantwortungsloser Quatsch!

Gut, auch Frau Merkel muss jetzt erkennen, dass der Wähler ihr bei der Bundestagswahl zu wenige Stimmen gegeben hat! Sie steht ohne Mehrheit da! Es ist auch ihre Niederlage! Also vielleicht Neuwahlen, ok!

Auch Nikolaus Blome, stellvertretender Chefredakteur der bekanntermaßen konservativen BILD, schreibt in einem ERSTEN KOMMENTAR:

„Das große, christliche Herz vor allem der CSU, es ist klein und hart geworden.

Auch wenn die knappe Million Flüchtlinge im Jahr 2015 zu viel auf einmal waren – die 50 000 bis 60 000 überwiegend Frauen und Kinder, um die es am Ende noch ging, sind zu wenig. Zu wenig, um das wichtigste Land Europas ohne Regierung zu lassen.“

 

 

THEATER: Uisenma Borchu – Nachts, als die Sonne für mich schien

„Ich finde Kunst, ist so etwas wie die Lunge einer Gesellschaft, die Kiemen bei den Fischen, man braucht sie einfach, wenn wir so ein Ventil nicht haben, würden wir ersticken.“ Ein schönes Zitat von Uisenma Borchu.

„Nachts, als die Sonne für mich schien“ heißt das Theaterdebüt der Filmemacherin Uisenma Borchu, gezeigt wird es derzeit an den Münchner Kammerspielen. Uisenma Borchu sorgte 2015 mit ihrem Spielfilmdebüt „Schau mich nicht so an“ für Aufmerksamkeit. Sie hatte ihre Filmausbildung an der HFF in München gemacht.

Es ist ein sehr persönlicher Theaterabend. Kein Theaterstück, eher eine Aufarbeitung. Mathias Lilienthal hat ihr die Chance gegeben, dies in den Kammerspielen zu bringen. Es muss ja auch ein Wahnsinn sein, in der Mongolei geboren zu sein, dort aufgewachsen zu sein, in der Steppe, in einem Zelt (man sieht anfangs sehr ruhige Bilder), dann im Alter von 5 Jahren mit der Familie in die DDR – in ein kleines Städtchen in Sachsen-Anhalt – zu wechseln (wechseln zu müssen) und schließlich nach der Wende in der Bundesrepublik Deutschland zu landen (man sieht gegen Ende des Abends schnell wechselnde Betonlandschaten). Größer kann die Spanne kaum sein. Und meist – das zeigt der Abend besonders – umgeben zu sein von Anfeindungen wegen der eigenen Herkunft. Uisenma Borchu muss ein sehr zerrissener Mensch sein. Andererseits wohl sehr tough, sie hat sich durchgesetzt, hat viel Erfolg. Und sicher sehr sensibel. Was für ein Beispiel für Flüchtlinge, die hier ihren Weg gehen wollen! Uisenma Borchus Vergangenheit spielt aber auch an diesem Abend permanent im Bühnenhintergrund ganz entscheidend mit. Als würde es garnicht gehen ohne diesen Hintergrund. Der Vater, mongolischer Künstler, malt während des Stückes ein großes Gemälde – wie er es in der Mongolei tat. Vor ihm auf der Bühne wird gespielt. Das Stück ist recht kurz, was vielleicht Uisenma Borchus fehlende Erfahrung mit einer Theaterproduktion zeigt. Und es mag viel mehr Facetten ihres extremen Lebens geben. Etwa ihre Mutter, mit der sie sich künstlerisch noch nicht beschäftigen kann, wie sie sagt. Aber es lohnt sich, schon oder auch wegen des schönen Auftrittes von Ensemblemitglied Christian Löber, der den jungen Vater Borchu spielt (siehe auch das Foto).

Das Foto: Copyright Josef Beyer/Kammerspiele

 

CROWDFUNDING: Special Summer Revival Action

Hallo Leser! Ein engagierter, netter Flüchtling aus Afghanistan, Farhad (rechts in der Suchmaske „Farhad“ eingeben!). Wir hatten im ermöglicht, in ein Fitness-Center zu gehen. Ich hatte es mit ihm angesehen, ihn angemeldet. Er besucht es gerne und regelmäßig! Ein Halbjahres-Beitrag konnte finanziert werden. Jetzt geht es um Juli bis Dezember (oder August bis Januar, ich muss es klären): Etwa weitere € 100,00, ca. € 18.00 monatlich. Kann und will sich jemand beteiligen? Es hilft sehr! Er wurde hier in Bayern natürlich abgelehnt und muss auch noch die Anwältin irgendwie zahlen!

DANKE FÜR JEDEN EURO! EINFACH EINEN KOMMENTAR SCHREIBEN!

 

MUSIK DER WOCHE: Roger Waters

„Pink Floyd“-Legende Roger Waters bringt morgen, am 02. Juni 2017, aus Wut auf Donald Trump („Einfaltspinsel Trump“) sein erstes Solo-Album seit 25 Jahren heraus.Titel Smell the Roses – Is this the life we really want? Roger Waters war 1965 Mitbegründer von Pink Floyd, Songwriter, Bassmann, Sänger. Hieraus bringe ich den kurzen Song The last refugee. Man hört Pink Floyd durch, aber das ist ja nicht das Schlechteste. Es ist diese melancholische, protestierende Stimmung. Verzweiflung, dass einiges anders laufen könnte.

 

POLITIK: Zeit zu handeln – eine neue Partei entsteht

Ich bin im Blog zumeist mit „ernsthaften“, nicht unbedingt „komischen“ Themen befasst. Obwohl ich selber gerne humorvoll lebe und Humor klar bevorzuge. Ich bin kein Schwarzmaler. Aber die Ideen des Kunstbetriebs reizen mich eben, das Theater besonders. Und dabei sind dann für mich die Verbindungen der „Kultur“ zu aktuellen politischen, gesellschaftlichen Themen reizvoll. Das ist eben Thema des Blogs. Letztens etwa folgende zwei „Pole“:

Zum einen: Ich war am Samstag im Residenztheater (München), „Die Troerinnen“ von Euripides in einer Fassung von Jean-Paul Sartre wurde gebracht. Eine biedere, langweilige Inszenierung. Im Programmheft aber fand ich einen Satz von Hekabe, der Königin des zerstörten Troja, interessant:

Es gibt keine schlimmere Lüge als das Glück.

Man starrt geblendet auf den äußeren Schein und sieht nicht das Ungeheuer,

das sich dahinter verbirgt.“

So, und schon war eine Verbindung da. Denn auch politisch – national und international – kann man ja wohl kaum sagen, dass alles bestens steht, auch wenn wir hier in unseren Sphären wahrlich insgesamt im Glück zu leben scheinen. Man will jedenfalls gerne so tun, als wäre doch alles bestens.

Und so kommt der zweite Pol, der politische Pol, ins Spiel: In Bayern sind – trotz des Anscheins unseres Glücks – gerade zwei hoch engagierte Personen die Initiatoren einer Idee, die eine Parteigründung zum Ziel hat. Eine neue Partei, die derzeit noch unter dem Motto „Zeit zu handeln“ erste Stimmungen sammelt. Nach einem Motto, das viele Menschen spüren: „So kann es nicht weiter gehen!“ Einen Namen hat die Partei noch nicht.

Am Donnerstag, 13.05.2017, war das allererste Treffen interessierter Personen in einem vollbesetzten Saal im Münchner Hofbräukeller (nicht: „Hofbräuhaus“!). Auch mich hat es interessiert.

Die beiden Initiatoren: Claudia Stamm und Stephan Lessenich: Claudia Stamm hat vor kurzem die GRÜNEN verlassen. Sie war Mitarbeiterin einer NGO, Hospitantin beim Bayerischen Rundfunk, 9 Jahre lang freie Mitarbeiterin beim BR, 2009 für die Grünen in den Landtag gekommen, Sprecherin für Haushalt und Jugend und queer- und gleichstellungspolitische Themen. Stephan Lessenich war zehn Jahre lang an der Universität Göttingen, 2004 Soziologieprofessur in Jena, seit 2014 an der LMU München, Direktor des Instituts für Soziologie, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats von attac Deutschland und des Netzwerks Grundeinkommen, einer der Sprecher des Kuratoriums des Instituts Solidarische Moderne. Er hatte vor einigen Monaten sein Buch „Neben uns die Sintflut“ vorgestellt. Wo? Natürlich in den Münchener Kammerspielen, der Kreis schließt sich wieder. Siehe dazu meine Blogbeiträge vom 16. und 21. Oktober 2016.             ).

Es war eine Ansammlung von engagierten Menschen, die in vielen Details mit den politischen Entwicklungen, die sich – vielleicht besonders in Bayern? – seit einiger Zeit langsam einschleichen, unzufrieden sind. Viele Probleme wurden angesprochen, soziale Brennpunkte, ökologische Probleme, Probleme der Flüchtlingshilfe. Ein Kernsatz wäre: Die Politik und unser gesellschaftliches Miteinander lässt mehr und mehr die Menschenwürde aus den Augen!

Mal sehen, wie es weitergeht! Mein erster Eindruck:

– Natürlich hat fast jeder Mensch seine Probleme. Viel wurde angesprochen. Das allein ist noch kein Grund für eine neue Partei. Aber viele haben in diesen Zeiten den Eindruck, dass viele Themen und wesentliche Werte einfach auf der Strecke bleiben! Dass sich da „etwas verändert“. Das wiederum, finde ich, kann doch ein Grund für eine neue Partei sein.
– Den Initiatoren geht es wohl derzeit erst einmal darum, die bestehende Unzufriedenheit vieler Menschen zu sammeln, zu spüren, zu hören. Und dann wird es wohl darum gehen, vermute ich, diese Unzufriedenheit in ein letztlich nach vorne gerichtetes Programm umzusetzen und in einer Partei, die zunächst in Bayern Stimme zeigen würde, zu kanalisieren. Eine große Aufgabe. Es geht ja, denke ich, nicht darum, allein eine „Partei der Unzufriedenen“ zu gründen, die anderen Menschen Vorwürfe macht. Es geht hoffentlich um eine Partei, die bestimmte untergehende Werte betonen will, neue Ansätze zeigen will etc. Sozial, ökologisch, international. Da ist ja viel zu tun! Ich nenne es zurzeit „NEUES DENKEN“. Man kann mit den Wörtern NEUES DENKEN schön spielen: „NEUES denken“ oder „neues DENKEN“, je nach Betonung.

Ich werde weiter berichten. Mitmachen, sich rühren, Interesse bekunden!

Hier der Link zur Website der Initiative: Zeitzuhandeln

Ist das unsere Asylpolitik?

Ich hatte im Blog bereits über Farhad aus Afghanistan geschrieben, den ich unterstütze. Sein Weg ist weiter unten noch einmal dargestellt. Er ist allein auf dieser Welt, ist schlau, freundlich, höflich, aufgeschlossen, interessiert. JETZT KAM SEINE ABLEHNUNG! ER SOLL DEUTSCHLAND INNERHALB VON 30 TAGEN VERLASSEN! KEIN ASYL, KEINE AUFENTHALTSERLAUBNIS! UNFASSBAR!!

Er sagte mir: Wenn er in Afghanistan überleben will, muss er zur Taliban gehen. Tolles Ergebnis! Andernfalls würde er ganz schnell getötet werden. Er hat ja NIEMANDEN auf der Welt, bei dem er Schutz suchen könnte.

WIE KANN MAN IHN NUR ABLEHNEN!!?? WAS IST DAS FÜR EINE POLITIK! Er hat bereits einen Selbstmordversuch hinter sich, das Attest über seinen anschließenden Krankenhausaufenthalt wurde beim Asylgespräch vorgelegt.

Wir werden natürlich sofort zu einem Anwalt gehen!

Sein Weg ist lesenswert:

18 Jahre alt, schwarze Haare, symphatisch, geboren in einem kleinen Dorf etwa 50 Kilometer von Kabul entfernt. Allein auf dieser Welt! Seit fast zwei Jahren ist er nun in Deutschland, will im Sommer seinen Quali machen, lernt ständig! Ein Beispiel, ein trauriges Beispiel. Er hat so manches Mal Tränen in den Augen.

Was hat er alles erlebt! Ich schildere es hier grob, um einmal zu zeigen, was erlebt wird.

Als er noch ein Kind war, kamen eines Nachts Taliban – Männer. Sie klopften am Haus, die Mutter öffnete, sie fragten nach dem Vater. Der Vater kam, sie nahmen ihn mit. Verschwunden für immer. Er hat ihn nie wieder gesehen. Die Taliban ist gegen schlaue Menschen, erklärt er mir. Farhads Vater war Lehrer, hatte in Kabul gearbeitet. Er war also zu schlau! Seitdem lebte Farhad allein mit seiner Mutter und seiner Schwester. Aus Angst verbot die Mutter ihm und der Schwester, das Haus zu verlassen. Eine Kindheit im Zimmer. Er passte auf die Schwester auf.

Die Mutter wurde in der Folgezeit von einem offenbar hohen Vertreter derjenigen Menschen unterstützt, die gegen die Taliban waren. Said Jwar Bahonar. Farhad zeigt mir Fotos von ihm. So etwas wie der Bürgermeister des Ortes. Ein Mann, der gegen die Taliban kämpfte, der mit den Amerikanern in Kontakt stand. Das brachte weitere Schwierigkeiten. Dieser Mann konnte zwar irgendwann zusammen mit seiner Familie aus Afghanistan fliehen, um sein Leben zu retten. Die Taliban setzte aber Farhads Mutter unter Druck, ihr zu verraten, wo der Mann denn sei. Obwohl sie es nicht wusste. Auch für die Kinder wuchs die Bedrängung. Die um ihr und ihrer Kinder Leben besorgte Mutter floh mit ihren beiden Kindern in den Iran. Dort wieder Schwierigkeiten.

Die iranische Polizei griff Farhad, der im Iran etwas arbeitete, um Geld für seine Mutter zu verdienen, aber keinen Pass hatte, auf und steckte ihn ins Gefängnis. Normalerweise schmeißen sie Afghanen ohne Pass raus. Iraner mögen Afghanen nicht, erklärt er mir. Afghanistan war vor langer Zeit Teil des Iran und habe sich irgendwann vom Iran gelöst, verselbständigt. Durch Vermittlung eines anderen Polizisten kam Farhad frei. Ihm wurde von diesem Mann allerdings nahegelegt, sich ausbilden zu lassen und nach Syrien zu gehen, um dort für den Dschihad zu kämpfen. Die Mutter war verzweifelt. Sie sammelte ihr Geld und vertraute sich in Angst um ihre Kinder – durch Vermittlung einer Nachbarin – einem Schleuser an. Eine Gruppe von vierzig/fünfzig Afghanen – darunter Farhad mit seiner Mutter und seiner Schwester – wurde zur iranisch/türkischen Grenze gefahren.

Zu Fuß ging es an der iranisch/türkischen Grenzer nachts durch die Berge. Ich halte mich kurz, es klingt alles glaubwürdig. So lügt man nicht. Es sind zu viele Einzelheiten. Und Tränen. Die Gruppe der Menschen  stand an der Grenze. Einige Männer – darunter Farhad – standen auf einer Mauer, die es zu überwinden galt. Eine Grenzmauer zwischen dem Iran und der Türkei. Sie wollten die unten an der Mauer wartenden Menschen – darunter Farhads Schwester und seine Mutter – auf die Mauer ziehen, ihnen über die Mauer helfen. Die Polizei tauchte plötzlich mit Lichtstrahlern auf, es enstand große Aufregung. Drei Schüsse wurden in die Luft abgegeben. Farhad lief auf der Mauer ein Stückchen entlang, um sich zu schützen. Die Menge vor der Mauer verteilte sich wahrscheinlich in alle Richtungen. Farhad zeigt mir an der Wand seines Zimmers, wie hoch die Mauer war, auf der er stand. Irgendwann sprang er auf die türkische Seite hinter der Mauer. Er blieb im Stacheldraht hängen, der hinter der Mauer aufgerollt war. Stunden später riss er sich aus dem Draht. Er blutete stark, zeigt mir seine Narben. Mutter und Schwester waren im nächtlichen Chaos im Iran geblieben, unfreiwillig für immer von Farhad getrennt. Er weiß nicht, was mit ihnen passiert it. Er selber verbrachte die Nacht mit anderen Geflohenen in einen hohen Feld. „Wo ist meine Mama, wo ist meine Schwester?“ waren seine Fragen am nächsten Tag. Farhad war fünfzehn oder sechzehn Jahre alt. Seine Mutter und seine Schwester hat er seit dieser Nacht nicht mehr gesehen. Ein Suchauftrag beim Roten Kreuz blieb bisher erfolglos. Auch die Nachbarin im Iran ließ er fragen. Kein Ergebnis.

Wie ging es weiter? Es sollte ein unendlich langer Weg werden, den ich hier weiter nur kurz schildere, um nichts Falsches zu schreiben. Er legte – ich verstehe: mit einem Pferd, wobei sich der Eigentümer letztlich darüber beschwert hatte, dass Farhad das weiße Pferd mit seinem Blut verdreckt hätte – eine bestimmte Strecke in der Türkei zurück. Als nächstes kam er – ich weiß nicht, wie – nach Istanbul. Davon hatte ich zunächst nichts gewusst. Er erzählte es später. In Istanbul lebte er eine Woche lang im Freien. Ein anderer, etwa 20-jähriger Afghane war bei ihm. Er vermittelte ihm und zahlte ihm letztlich einen Arztbesuch. 300 Dollar! Der Arzt sagte Farhad, er habe viel Glück gehabt, hätte sich leicht infizieren können mit den groben Verletzungen. Er hatte die Wunden immer selbst verbunden gehabt. Man habe am Arm etwa bis auf die Sehnen schauen können..

In einem überfüllten Boot ging es dann auf einer wohl fünftägigen Seefahrt nach Sizilien. Farhad erzählt von den Wellen, die – er war durchnässt auf Deck – über das kleine Boot schlugen.

Von Sizilien aus ging es irgendwann per Flugzeug – er weiß nicht, wer es gezahlt hatte – nach Rom. Dort riet ihm bald eine Frau, Italien zu verlassen, er werde dort nicht ausgebildet werden, er werde als Penner enden. Farhad will aber lernen, er ist schlau, seine Mutter war immer dafür gewesen, dass er wie der Vater wird. Er zog daher mit einer kleineren Gruppe von Flüchtlingen hoch an die italienisch/französische Grenze am Mittelmeer. Dort ging es nun – wieder mit einem Schleuser – in die Berge. Sie schlugen sich nach Cannes durch. Die Berge hoch, die Berge hinunter. Die Polizei griff ihn in Cannes auf und fuhr ihn zurück in die Berge. Er solle nach Italien zurückgehen. Nach langem Fußmarsch hinunter kam er wieder in Italien an. Doch Farhad und andere versuchten es erneut – mehrfach, verstehe ich -, nach Frankreich zu kommen. Immer wieder derselbe Weg nach Cannes, immer wiede – dreimal? viermal? – bringt ihn die französische Polizei an die Grenze zurück. Er erzählt mir von einem Polizisten, der ihm erklärte, er müsse es so machen, er sei zwar Vater, aber er bekomme sonst Ärger. Schließlich lernt er irgendwann rechtzeitig in Cannes einen Mann kennen, der ihm ein Zugticket nach Paris zahlt. In der NEW YORK TIMES erschien kürzlich ein Bericht über einen Franzosen, der den Flüchtlingen an der italienisch/französischen Grenze hilft, weiterzukommen. Farhad landet durch die Hilfe vielleicht genau dieses Mannes in Paris und geht dort – nachts unter der Brücke schlafend – bald zur Polizei. Zu Einzelheiten ab hier weiß ich weniger. Er sei so jung, er brauche Hilfe, war sein Begehren bei der Polizei. Allein auf der Welt, minderjährig. Die Polizei antwortet ihm, er solle Fankreich verlassen. Auf Wegen, die ich noch nicht verstanden habe, kommt er letztlich nach Deutschland. Jetzt ist Farhad in Ottobrunn bei München in einer Flüchtlingsunterkunft. Kein Zelt, immerhin ein Haus.

MUSS DIE ABSCHIEBEPRAXIS SO FÜRCHTERLICH SEIN UND EINEM CLEVEREN JUNGEN DAMIT DAS GENICK BRECHEN? WORUM GEHT ES? GEHT ES UM DAS LEIDER SEHR HARTE SCHICKSAL JUNGER MENSCHEN? WOLLEN WIR NICHT HELFEN? IST ALLES NUR BAYERISCHE POLITIK?

 

Antworten

Es sind viele, keine Frage. Die Haltung zu diesem Thema, die Antworten, die wir uns suchen, sie sind immer wieder interessant. Das bleibt auch so (Wahljahr!) und man sollte sich, wenn man Zeit hat, weiterhin Gedanken machen. Kürzlich erreichte mich ein Artikel eines Online-Portals, das unter http://www.achgut.com interessant daherkommt. Er hat mich doch sehr irritiert – freundlich ausgedrückt. Mit vielen anscheinend verständlichen Argumente, die man eben so auf der Zunge hat, wird eigentlich auch dort gegen Flüchtlinge und gegen Flüchtlingshilfe polemisiert. Ich finde durchaus, dass man die weltweit bestaunte „Marke“ Deutschland schützen muss, selbstverständlich! Aber nicht so, wie in diesem Artikel, denke ich! Schon gar nicht unter dem Deckmantel des intellektuellen Denkens! Ich habe der Person, die mir den Artikel zugesendet hatte, eine Antwort geschrieben, die ich gerne auch hier bringe.

Zum Artikel von Imad Karim in http://www.achgut.com hier der link:

Karim Beitrag

Und hier meine Antwort:

imad-karim

Zeitung Serie " stock photo

Crowdfunding – Newsticker

  • Spenden sind noch erwünscht! Bitte keine falsche Zurückhaltung!
  • Dann kommen noch on top Trainingshose, Schuhe, Sporttasche etc. hinzu, da kommt viel zusammen.Anmeldebeitrag 28 Euro.
  • Oder: Hat jemand Sportsachen, die nicht mehr benötigt werden? Bitte melden! Nachsehen und oben rechts die Kommentarfunktion!
  • Heute, Sonntag, 08.01.2017, bin ich mit Farhad ins Fitnessstudio gefahren, um alles zu klären. Macht einen guten Eindruck. Viele junge Leute.
  • Alles passt. Dazu gibt es einen Getränkegutschein 1 x pro Woche.  Jahresbeitrag ist zu Beginn komplett zu zahlen, da vorzeitige Abbrüche bei Flüchtlingen nicht zu Ausfällen führen sollen. Naja, ok, meinetwegen. Aufnahmegebühr von – ich glaube – € 25 kommt dazu.
  • Anmeldung wohl übernächste Woche, wenn alles steht!
  • Spenden sind bisher von Familienmitgliedern eingegangen! Danke!!

Bildergebnis für fitnessstudio

Crowdfunding – Newsticker

Facebook war wieder nicht verbunden. Daher hier noch einmal:

Der Stand der Crowdfundingaktion für das Fitnessstudio:

  • Ich habe im Studio per mail angefragt, ob es etwa einen Goodwill-Nachlass gibt.
  • Ich informiere mich auch, ob es generell einen Vermittlungsrabatt gibt, wenn Farhad von einem bestehenden Kunden vermittelt wird.
  • Ich frage auch an, ob ausnahmsweise etwa die Buchung für 6 Monate geht. Wäre auch gut. Dann kann er sehen, wie es läuft.
  • Ich rede mit Farhad morgen, ob er wirklich oft/regelmäßig hingehen wird.
  • Bisher sind 47 Euro gespendet. Außerdem gab es zwei unbezifferte Zusagen, sich zu beteiligen. Und es gab eine weitere Zusage von einem Spender, evtl. aufzustocken. Also sind wir mit Aufrundung von mir sicher schon bei 100 Euro!

Da ist noch Luft drin! Nicht zögern, einfach oben rechts die graue Sprechblase anklicken und schreiben. DANKE!

Bildergebnis für fitnessstudio