MUSIK: Lou Doillon – Where To Start

Ich hatte Lou Doillon ganz zu Beginn des Blogs einmal gebracht. Vor zweieinhalb Jahren. Da viele sie wahrscheinlich nicht kennen, bringe ich sie hier noch einmal, mit dem Song Where To Start: Das kann nicht schaden. Sie ist die Tochter von Jane Birkin und mütterlicherseits die Schwester von Charlotte Gainsburg. Wie man eben so geboren wird. Ich bin auch der Sohn meiner Eltern und der Bruder meiner Geschwister! Man hört leider in den letzten Jahren wenig von ihr. „Where To Start“ ist der erste Song ihres wunderbaren Albums „Lay Low“. Unten folgen die Lyrics.

Lyrics:

 

Let’s just pretend for a little while
That all there is here and now
And you and I
Hey, oh
Let’s turn our backs
To all the reasons why we shouldn’t
Let us lay low, in each other’s stare
Hey, ohIn the morning lights
While the world gets busy
We lay low, we lay low
Hey, ohAnd I know it wasn’t wise
To look straight back into your eyes
And I don’t need you to tell me so
Hey, ohAnd I don’t want to think, no
I don’t want to know
You tell me when it’s my time to go
Hey, oh

In the morning lights
While the world gets busy
We lay low, we lay lowIn the morning lights
While the world gets busy
We lay low, we lay low
Hey, ohLet’s just pretend for a little while
That all there is here and now
And you and I
Hey, oh
Let’s turn our backs
To all the reasons why we shouldn’t
Let us lay low, in each other’s stare
Hey, ohIn the morning lights
While the world gets busy
We lay low, we lay lowIn the morning lights
While the world gets busy
We lay low, we lay low
Hey, oh – Hey, oh – Hey, oh – Hey, oh
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MUSIK: Lambchop – When you were mine

When You Were Mine ist eigentlich ein Song von Prince, aus seinem Album „Dirty Mind“. Über eine unglückliche Liebe. Hier ein Cover von Lambchop, die den Song sehr ruhig spielen. Etwas zum Entspannen auf meiner Party ist ja auch mal ganz gut. Unten die lyrics.

Lyrics:
When you were mine
I gave you all of my money
Time after time
You done me wrong
It was just like a dream
You let all my friends come over and meet
And you were so strange
You didn’t have the decency to change the sheets
Oh girl, when you were mine
I used to let you wear all my clothes
You were so fine (so fine)
Maybe that’s the reason that it hurt me so
I know (I know)
That you’re going with another guy
I don’t care (don’t care)
‚Cause I love you, baby, that’s no lie
I love you more than I did when you were mine
When you were mine
You were kinda, sorta my best friend
So I was blind (so blind)
I let you fool around
I never cared (didn’t care)
I never was the kind to make a fuss
When he was there
Sleeping in between the two of us
I know (I know)
That you’re going with another guy
I don’t care (don’t care)
‚Cause I love you, baby, that’s no lie
I love you more than I did when you were mine
When you were mine
you were all I ever wanted to do
Now I spend my time
Following him whenever he’s with you
I know (I know)
That you’re going with another guy
I don’t care (don’t care)
‚Cause I love you, baby, that’s no lie
I love you more than I did when you were mine
When you were mine, yeah, oh no
Love you, baby, love you, baby
When you were mine

THEATER und LITERATUR: Tennessee Williams – Endstation Sehnsucht

Endsation Sehnsucht von Tennessee Williams. Oft gehört, nie gelesen. Blanche, eine Frau aus gutsituierten Kreisen, verliert den ererbten Wohlstand, landet bei ihrer Schwester in einfachen Verhältnissen, die mit dem Rüpel Stanley verheiratet ist. Wer gewinnt den Kampf? Blanche zerbricht, landet in der psychiatrischen Anstalt. Eigentlich eine interessante Story. „Sehnsucht“ (Desire) hieß einmal eine Endstation der Straßenbahn in New Orleans. Ich habe das Buch jetzt gelesen, da es am Berliner Ensemble von Michael Thalheimer inszeniert wurde. Ich habe dazu letztens in Berlin auch die Inszenierung gesehen, die in der gerade beendeten Spielzeit gebracht wurde und wohl auch in der kommenden Spielzeit gebracht wird.

Die vordergründige Geschichte ist ja so: Blanche lebte im relativen Wohlstand und hat alles verloren. Das Haus der Familie wurde gepfändet, ihr Ehemann war schwul und hatte sich schon vor Jahren umgebracht, ihren Job als Lehrerin hat Blanche auch verloren. Sie – nebenbei: durch sexuelle Hingabe suchte sie schon irgendwo Halt, bevor sie zu Stella kam – sucht Zuflucht bei ihrer Schwester Stella, die in ganz einfachen Verhältnissen lebt und mit Stanley verheiratet ist. Und damit prallen eben zwei Welten aufeinander. Blanche, die ihre Welt erhalten und Stanley nicht ausstehen kann, versucht immer wieder, ihre Schwester Stella dazu zu bringen, ihren Mann zu verlassen. Stella ist ihrem Mann aber in Liebe oder jedenfalls aus sexuellem Antrieb heraus hingegeben und weiß, dass sie ihn nicht ändern kann. Dass sie nichts ändern kann. Blanche wird schließlich von Stanley sogar vergewaltigt. Die irgendwie irreale, von viel Einbildung geprägte Welt der Blanche und die reale derbe Welt von Stella. Schon die Sprache der Personen zeigt im Buch (Originaltext) die Unterschiede deutlich. Man liest teils derben Slang (interessant!) neben der „besseren“ Sprache . Ich empfehle das Buch gerade jüngeren Lesern auf Englisch.

Die Inszenierung von Michael Thalheimer dagegen hat mich überhaupt nicht überzeugt. Erstaunlich, wenn die FAZ schreibt:

„Kunstvoll und klug zeigt Michael Thalheimer in seiner grandios eindrucksvollen Inszenierung mit dem überragenden Ensemble die hässlichen Muster, nach denen bei Tennesse Williams die Männer mit den Frauen umgehen, was die Gesellschaft allen antut und wie sich alle damit arrangieren.“

Eigenartige Kritik. Der große Clou sollte wohl die schiefe Bühne sein (siehe das Blogbild oben). Alles weitere war aber konventionell, teilweise affektiert, zu gewollt, zu darstellerisch. Ich meine, aus dem Buch hätte man einiges mehr un d interessanter herausholen können. Hinter der vordergründigen Story stecken schließlich viele kleine Themen. Allein das Verhältnis zwischen Blanche und ihrer Schwester Stella. Oder der Umgang von Blanche mit ihrem persönlichen „Niedergang“. Das wird in der Inszenierung alles zwar angerissen, aber meines Erachtens ohne Herzblut! Andreas Döhler (Stanley) ist da vielleicht am ehesten wieder einmal die Ausnahme. Aber selbst er: Im Buch erscheint mir Stanley noch rüder, krasser, unnachgiebiger, derber. Was man sich zu diesem Buch alles denken kann, wird etwa im Programmheft zur Inszenierung angerissen. Zu wenig davon war auf der Bühne zu sehen. Vielleicht haben es auch die Schauspieler nicht geschafft, die jeweiligen Positionen der Personen besser darzustellen. Ihre Zweifel, ihre Kämpfe untereinander, ihre so unterschiedlichen Positionen. Vor allem Cordelia Wege als Blanche spielte für mich nur eines: Affektiert. Modernes Theater sieht anders aus. Aber vielleicht sollte sie so spielen. Wahrscheinlich sogar, wenn man sieht, wie sie sich am Ende mit rotem Lippenstift das Gesicht vollmalt – ein alter Hut! Es war herkömmlich, es wurden von den Schauspielern keine Grenzen der schauspielerischen Darstellung eingerissen. Offenbar hat Michael Thalheimer keine Freiheit gelassen. Oder dieses Bühnenbild war zu starr! Den Eindruck hatte ich. Wie sollte man da auch erkennbar aus sich herausgehen! Ich mag ja immer das Nicht-affektierte, das Überraschende, das Persönliche, das Interpretierte. Nicht das Herkömmliche. Die Inszenierung von Michael Thalheimer ist aber herkömmlich.

Nun gut, einen ersten – vielleicht anderen – Eindruck gibt HIER die Online-Seite des BE zum Stück.

Und HIER die Seite des Cornelsen Verlags zum Buch in englischer Sprache mit Anmerkungen am Schluss zu den Südstaaten, New Orleans etc., und mit Fußnoten zu seltenen Wörtern.

Copyright des Beitragsbildes: Matthias Horn, Berliner Ensemble

MUSIK: Millie Jackson – The Rap

Der Soul-Song The Rap von Millie Jackson, der US-amerikanischen R&B- Sängerin und Songwriterin, die große Erfolge in den 1970er Jahren hatte. Zu ihren erfolgreichsten Werken gehören die Alben Caught Up (1974), Feelin’ Bitchy (1977) und Get It Out’cha System (1978), die in den USA jeweils über 500.000 Mal verkauft und mit Gold ausgezeichnet wurden. Schön, wie sie hier teils spricht, teils singt. Vergangene Woche, am 15. Juli, hatte sie ihren 74ten Geburtstag. Irgendwann sage ich auch, wie ich auf den Song gekommen bin. Interessant ist auch, dass Farben alt werden können! Etwa der Gelbton des Albums Caught Up, von dem der Song The Rap ist.

Das Album ist ein Konzept-Album. Eine Erzählung über eine Frau, die eine Affaire mit einem verheirateten Mann hat (das ist nicht der Grund bei mir). Die Vorderseite der LP bringt Songs aus Sicht der Geliebten, die Rückseite aus Sicht der Ehefrau. Hier der Song The Rap (Vorderseite) und unten die schönen Lyrics:

Lyrics:

You see, the terrible thing about being in love with a married man is the fact that you can’t see him when you really want to and that can get to you sometimes
Late in the midnight hour, when you really feel like you need a little loving, the man ain’t nowhere around and that can get to you sometimes
Early in the morning, when you really feel like you need someone to hold on to, the man ain’t nowhere around and that can really get to you sometimes
But what gets to you most of all is when the holidays roll around
You gotta always be by yourself, ‚cause that’s the time when the families get together
All the in-laws come to visit, so he has to stay home and play the part of the good and faithful husband
But I ain’t worried about it, ‚cause I found out that when a man starts tipping away from home, somebody at home has fallen down on the homefront
That’s because when those women marry these men, they have a tendency to take advantage of them
They forget about all the sweet things they say to get them, that they have to keep on saying them to keep them
‚Cause you got a whole lot of women out there these days just like me who will tell a man anything in the world he feel like he might wanna hear
I know, ‚cause I’m going with a married man and last New Year’s Eve, I was lonesome as a micky ficky
But J1, the man came on in like he was supposed to
And I don’t mind waiting that one day, ‚cause anything worth having is worth waiting on
So when the man came in, J1, I was right there waiting on him to tell him them sweet things his wife haven’t told him over the holidays
And you can think of a whole lot of good stuff to tell a nigga when you’re by yourself
So the minute my man came in the door, J1, I start laying it on him
I said oooh, baby
Ooh, baby
Ooh, baby
My baby
You’re the sweetest thing I know, yes you are
You dim the rainbow’s glow, yes you do, baby
There ain’t no power, no power, no power on this earth
To ever, oh, oh Lord, separate us, baby
‚Cause you are my sunshine, my only little sunshine
You are my sunshine, my sunshine
And I love you, baby
I can’t help but love you, baby
I love you, baby
I couldn’t give up if I wanted to
You know I don’t wanna leave you with a one-sided conception over this thing
Anyone out there in my shoes this evening, I want you to know what I’m talking about
I want you to know there’s two sides to this thing
There’s a good side to being in love with a married man and I like it, ‚cause you see
When you’re going with a married man, he can come over two or three times a week and give you a little bit
That means you’re two up on the wife already, ‚cause once you marry one, you don’t get it but once a week
Another sweet thing is on pay day, he can come over and give you a little bread and I like that
But the sweetest thing about the whole situation is the fact that when you go to the Laundromat
You don’t have to wash nobody’s funky drawers but your own and I like it like that
I wanna keep my situation just the way it is
And to make sure it stays like that, when my man comes over here two or three times a week to give me my piece
I set the clock so he can get up and go home on time, don’t want him to be late
Sometimes it’d be kind of hard for me to do, but I’ll force myself anyway. I tell him…
Listen to the clock on the wall
Hey, hey
Listen to the clock on the wall right now, baby
Tick on, clock
Listen to the clock on the wall
Hey, hey
Oh, forget about the clock on the wall
I don’t wanna be right this morning

 

BALLETT: Portrait Wayne McGregor

(Copyright des Beitragsfotos: Wilfried Hösl, Bay. Staatsballett München)

Ich hatte kürzlich das Privileg, im Nationaltheater das Bayerische Staatsballett mit dem Stück „Portrait Wayne McGregor“ sehen zu können. HIER ein interessanter Einblick, ein „video magazine“ des Bayerischen Staatsballetts.  Ich weiß, das hat mit der harten Welt nichts zu tun! Aber das kann ja auch mal sein! Schön war, dass ich inmitten einer Schulklasse (8. Klasse?) saß, die ein Tanzprojekt vorbereitete. Hehre Ziele und höchstes Anschauungsmaterial!

Ein Tipp übrigens: Auf http://www.staatsoper.tv wird dieses Stück am Samstag, den 23.6.2018 live um 19:30 Uhr übertragen. Ich finde es irre, Körper sprechen zu lassen, Gefühle, Interaktionen, … Und als Video on Demand ist es am Sonntag und Montag vormittag noch zu sehen.

HIER der Weg zu Trailern und zu einer Fotogalerie.

Drei verschiedene Stücke werden gezeigt: „Kairos“, „Sunyata“ und „Borderlands“. Während das erste Stück noch etwas klassischer Natur ist, sind das zweite und das dritte Stück kaum mehr klassisch zu nennen. Umso interessanter. Wayne McGregor scheint bekannt dafür zu sein, dass er vom klassischen Ballett ausgehend Grenzen überschreitet. Auch in alle neuen Medien hinein. Auch in Technologie und Wissenschaft hinein. Er gilt als einer der großen Choreographen dieser Zeit.

Natürlich kenne ich mich mit Ballett viel zu wenig aus. Allein die drei folgenden Textauszüge aus dem Programmbuch zeigen, worum es gehen kann. Das Programmbuch mit einigen schönen lyrischen Texten ist im Shop des Bayerischen Staatsballetts erhältlich. Hier Stichworte und sich dann die Übertragung (oder erst die Trailer) ansehen:

Kairos:

… 2014 für das Ballett Zürich entstanden … Kairos, der richtige Augenblick … es geht um den günstigsten Zeitpunkt für eine Entscheidung, den rechten Augenblick sozusagen … Max Richter Bearbeitung von Antonio Vivaldis die vier Jahreszeiten … Recomposed … endlos aneinandergewebte rhythmisierte Strukturen, die sich harmonisch nicht mehr auflösen wollen … McGregor entwickelt Motive, die aus dem Unisono in Chaos verbreitende Vereinzelungen driften … scharfe Ausführung der Bewegungen… Emotionalität der Musik…

Sunyata:

Kreation für das bayerische Staatsballett… begann er quasi im nichts… buddhistisches Konzept… einen Raum, in dem sich alles gegenseitig bedingt, in dem alles aber auch nichts ist – ein Nichts, in dem das Potenzial zur Kreation steckt… Fixpunkt Musik… Zeitgenössische finnische Komponistin Kaija Saariaho… Orchester und Elektronik…

Borderlands:

2013 kreiert für das San Francisco Ballet … als Medium der Farben bekommt das Licht in Borderlands besonderes Gewicht … die Arbeit ist inspiriert von den Bildern des deutsch-amerikanischen Bauhauskünstlers Josef Albers … Optische Täuschung, das Wundern und Staunen über die Gliedmaßen, die man nicht mehr zuordnen kann … Suche nach dem Gegenüber … dröhnende Synthesizer- Wolken

 

FILM: Esbjörn Svensson

Ein Hinweis:

Kürzlich hatte ich im Blog Musik des Esbjörn Svensson Trio eingestellt. Der Jazzpianist Esbjörn Svensson ist ja vor genau zehn Jahren (unglaublich!) bei einem seiner ersten Tauchgänge vor Stockholm in jungen Jahren, im Alter von 44 Jahren, ums Leben gekommen. Für viele Jazzfanatiker bis heute tragisch! Heute, am Donnerstag, den 14. Juni 2018, bringt der bayerische Rundfunk auf BR-Klassik um 23:05 Uhr eine Hommage zum zehnten Todestag von Esbjörn Svensson. Auch online zu hören.

HIER der link zum Podcast der Sendung auf der BR – Homepage!

Das Esbjörn Svensson Trio galt ja schon als ganz große Jazzgruppe der damaligen Zeit. Sie hätten einen „herausragenden Beitrag zur Weiterentwicklung des Jazz“ geleistet. Kann ich nicht beurteilen, aber es gefällt mir.

Ebenfalls hörenswert: Vor kurzem kam tatsächlich noch eine CD von e.s.t. heraus, rechtzeitig vor dem 10. Todestag: e.s.t. Live in London, eine Aufnahme aus dem Mai 2005. HIER hier eine Besprechung der CD auf BR-Klassik.

Das Hamburg-Konzert des Esbjörn-Svensson-Trios „e.s.t. live in Hamburg“ wiederum ist ja 2010 von der britischen Zeitung „The Times“ zum Jazz-Album des Jahrzehnts gekürt worden.

Hier ein Ausschnitt aus der CD „e.s.t. live in Hamburg“:

 

THEATERTREFFEN EXTRA: Rückkehr nach Reims (Schaubühne Berlin)

Ich hatte es schon gesehen und besprochen. Da es auch eines der zum diesjährigen Theatertreffen nach Berlin eingeladenen Stücke war und – ich glaube – auch in der kommenden Spielzeit noch zu sehen sein wird, bringe ich HIER den link zu meinem wichtigen damaligen Beitrag. Es geht ja beim besten Willen nicht ohne den Beitrag. Die Inszenierung geht zurück auf das gleichnamige Buch von Didier Eribon. Der Vollständigkeit halber bringe ich es hier, als Anregung. Dann fehlen mir vom Theaterftreffen nur das „Nationaltheater Reinickendorf“ und „Die Welt im Rücken“ vom Wiener Burgtheater, was ja sehr sehr gelobt wird. Mal sehen.

Copyright des Beitragsbildes: Arno Declair, Schaubühne

THEATER: Elfriede Jelinek – Wut

Nachdem ich Elfriede Jelineks „Am Königsweg“ auf dem Theatertreffen in Berlin gesehen hatte (HIER mein Blogbericht),  habe ich mir jetzt noch einmal ihr derzeitiges Stück an den Kammerspielen in München angesehen. „Wut“ heißt es. Es ist in der kommenden Spielzeit noch zu sehen. Ich habe bisher nichts darüber geschrieben:

Typisches Jelinekstück. Müssen Jelineks Stücke so inszeniert werden? München war ähnlich wie Berlin! Eine überbordende Jelinekshow! Mit wirklich guten Phasen aber! Es dauert über 4 Stunden. Der Regisseur Nicolas Stemann – er hat schon acht Stücke von Elfriede Jelinek auf die Bühne gebracht – erklärt zu Beginn der Aufführung, dass dieses Stück ständig weiter entwickelt wird. „Work in Progress“. AfD, Trump, PAG … Anlass für Elfriede Jelinek, das Stück ganz schnell zu schreiben, waren damals die Anschläge in Paris, Charlie Hebdo.

Wie ist das Stück: Im Unterschied zum Stück „Am Königsweg“ werden hier viele Passagen aus Jelineks Text wörtlich vorgelesen. Das erleichtert es, ihr ein wenig zu „folgen“. Aber „folgen“ ist auch hier zu viel gesagt. Ich habe es nicht geschafft. Lag aber auch an der nur für mich schlechten Akustik des Abends. Man hätte alles verstehen müssen! Ich muss es eigentlich nachlesen. Mal sehen.

Es ist insoweit aber eine – etwas – stringentere Inszenierung, als es „Am Königsweg“ war. Man sieht auf der Bühne die jungen Schauspieler des Ensembles der Münchner Kammerspiele – Julia Riedler, Thomas Hauser, Zeynep Bosbay, Jelena Kulijc etc. Ausnahme – sorry – Annette Paulmann, sie ist nicht mehr „Jugend“. Das passt aber sehr gut. Und Franz Rogowski (siehe Blogberichtsfoto), der – laut Programmheft 2018/19 – leider nicht mehr dem Ensemble angehören wird. Er ist im Film derzeit zu erfolgreich wahrscheinlich und wird keine Zeit haben.

Insgesamt sieht man nicht schauspielerische Leistungen, sondern „Aktionen“ auf der Bühne, finde ich. So soll es wohl sein. Unterbrochen übrigens wird es von einem etwa halbstündigen Diskurs des Regisseurs Nicolas Stemann mit seinen beiden Musikern (Thomas Kürstner, Sebastian Vogel) zu aktuellen Nachrichten aus den Tageszeitungen. Überall wurde „Bernd Söder“ entdeckt. Und das Kreuz.

Oder später der Aufruf, alle Zuschauer sollten auf die Bühne kommen. Viele kamen (Sicherheitsschleusen wurden aufgestellt), bis Stemann plötzlich sagte: „Aus Sicherheitsgründen müssen wir es abbrechen, bitte Ruhe bewahren!“ Dann wurde der Vorhang – eine schwarze Blechwand – herabgefahren, hinter dem Vorhang ging es weiter! Auf die schwarze Wand wurde das Geschehen hinter der Bühne – auch das Blogbeitragsbild oben – projeziert. Für viele hieß es damit: Wir müssen draußen bleiben!  … Aktueller Bezug klar! Was noch aufgefallen ist: Das ganze wahnsinnige Bühnendrumherum hätte im Grunde weg bleiben können. Es hat nur abgelenkt. So sah das etwa aus, während Anette Paulmann hinten an einem Tisch vorlas:

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Teils gut gemacht, aber mein „aber“: Eine reine Lesung, das wäre gut gewesen! Inhaltlich mag jeder dann selbst ein wenig zurecht kommen, oder auch nicht.

HIER der link zur Onlineseite der Inszenierung „Wut“ an den Kammerspielen, wieder mit Trailern.

THEATERTREFFEN EXTRA: Mittelreich nach Josef Bierbichler und nach Anna-Sophie Mahler (Münchner Kammerspiele)

Ich hatte es schon in München gesehen. Mittelreich. Die bayerische Familiensaga, die Erzählung von Josef Bierbichler, die jetzt auch im Kino läuft („Zwei Herren im Anzug“): Mit schwarzer Besetzung, komplett identisch inszeniert wie die im Jahr zuvor gebrachte Inszenierung mit der Ensemblebesetzung der Kammerspiele. Appropriation Art, Inszenierung von Anta-Helena Recke. Es sei die „wichtigste“ Einladung zum diesjährigen Theatertreffen, höre ich im Podcast des Theatertreffen-Blogs TT BLOG 18. Der übrigens zu jedem der gezeigten Stücke und zu allen möglichen Aspekten des Theatertreffens 2018 etwas bringt.

HIER mein damaliger wichtiger Blogbeitrag. Wie könnte man nur zurecht kommen, ohne ihn gelesen zu haben??

Copyright des Beitragsbildes: Judith Buss, Kammerspiele

THEATERTREFFEN EXTRA: Elfriede Jelinek – Am Königsweg (Schauspielhaus Hamburg)

Also Elfriede Jelinek, österreichische Trägerin des Literaturnobelpreises! Seit vielen Jahren werden ihre Bücher immer wieder auf die Bühnen gebracht. So in München derzeit (noch) „Wut“, zu sehen am DIENSTAG! 22. Mai, 19.00 Uhr. HIER die Website der Kammerspiele zum Stück, mit Trailern.

Oder auch in Hamburg „Am Königsweg„, die Inszenierung von Falk Richter. Es sind meist extrem wüste Inszenierungen. Reinsetzen, vorbeiziehen lassen und ein paar Ansätze mitnehmen. HIER der Trailer aus Hamburg. Es ist zu viel meist, denke ich. Hier ein paar Bilder:

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Dieses mal gibt es sogar – sieht gar nicht so aus! – ganz ruhige Momente, wenn Ilse Ritter vom Stuhl aus oder vom Balkon aus als Elfriede Jelinek selbst das Wort ergreift. Motto: „Ich werde alt, habe nichts mehr zu sagen, meine Worte werden verschwinden. Also: „Wir lernen ja eh nicht dazu„, siehe Donald Trump. Es ist zu einem großen Teil ein Anti-Trump- Text. (Manchmal liest man nicht „Text“, sondern „Textfläche“, passt besser). Trump wird aber nicht namentlich genannt, man redet abstrakt ständig vom „König“. Der macht, was er will. Obwohl er ja gewählt wurde. Er führt sich auf wie wildgeworden. Wahrheit ist nicht mehr relevant. Tenor der Inszenierung: „Wir sind alle blind„. Siehe das Bild oben.  Und: „Wir meinen dauernd, etwas Neues zu schaffen, aber es ist immer das Alte! Weil nur das kennen wir ja und wir können ja nur etwas schaffen, das wir kennen! Das führt nicht auf einen guten Weg! Und was wahr ist, erkennen wir auch nicht mehr.

Am beeindruckendsten fand ich – nicht nur ich – Benny Claessens. Er ist die zentrale Figur der Inszenierung! Kritikerstimmen sind hingerissen. Er teilt ja das Publikum seit Jahren in begeisterte Fans und angewiderte Lächler, weil er extrem ist. Ein Berserker, der irgendwie auch seinen Charme hat. Er schimpft – brüllt – etwa mit irrer Power auf das Publikum ein. „Grandios“, „versetzte in Verzückung“ etc. liest man. HIER ein Interview mit ihm.

Und wie er über die Bühne geht! Mit einer ganz bestimmten unauffälligen Geste! Eine kleine Bewegung! Arroganz? Wurstigkeit? „Ihr könnt mich mal“? Oder nur Teil seiner Rolle in Am Königsweg? Der undemokratische König sagt heute ja auch: „Ihr könnt mich mal!“ Die Bühne gehört bei diesem Stück jedenfalls – emotional – hauptsächlich ihm. Er verabschiedet sich mit dem T-Shirt-Aufdruck: „Stop being poor“. Passt irgendwie, Trump und Co. werden es immer als „selbstgemacht“ ansehen, wenn man arm ist. Also hör auf damit!“