POLITIK: Kulturelle Teilhabe

Im aktuellen Beitrag über den Ballettabend im Bayerischen Nationaltheater (Anna Karenina, HIER der link) hatte ich geschrieben, auch solche kulturellen Erlebnisse sollten eigentlich nicht nur Wohlhabenden offen stehen. Kunst sollte nicht elitär sein. Um diesen Ansatz nicht ganz verpuffen zu lassen, schlage ich heute noch einmal in diese Kerbe:  HIER der link zu einem engagierten Gespräch vom 27.06.2017 mit dem Intendanten des Schauspiels am Dortmunder Theater, Kay Voges, über kulturelle Teilhabe. Es gälte,

… Wege zu finden, Teilhabe an der Kultur für jedermann zu ermöglichen„,

sagte er in einem Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur. Zu schade: Auf dem letztjährigen Theatertreffen war Borderline Prozession, ein sehr besonderes Stück des Theatermachers Kay Voges, neben Pfusch von Herbert Fritsch das einzige Stück der 10er-Auswahl, das ich nicht sehen konnte.

Kay Voges sagt auch:

Ich könnte mir vorstellen, dass alle Hartz-IV-Empfänger eigentlich eine Freikarte in der Tasche haben müssen und sagen, ich kann, so oft ich möchte ins Theater gehen, ins Konzert gehen, ins Ballett gehen, in die Oper gehen, in die Bücherei gehen, das ist mein Recht. Wenn ich nicht so viel habe, dass ich mir es leisten kann, dann darf ich da auch kostenlos herein.

Oder:

„.. ich glaube, Mündigkeit ist ja so eins der großen Ideale und etwas, was so notwendig ist in Zeiten von schnellen Antworten oder von Populismus, wo nicht mehr eine Differenzierung stattfindet. Und ich glaube, das Theater ist genau der Ort, an dem diese Mündigkeit gelernt werden kann, wo wir nicht ein Klischee oder eine Parole präsentiert bekommen, sondern wo auf einmal Debatten stattfinden, wo verschiedene Perspektiven aufgezählt werden können, wo ich als Zuschauer mich in verschiedene Rollen und in verschiedene Antworten hineinversetzen kann und dadurch Mündigkeit erlernen kann.

Ich finde, das hat Berechtigung. Kunst ist für alle wichtig! Zumindest ein nicht zu kleines Kontingent derartiger Freikarten sollte es geben. Ich muss mich allerdings erst einmal erkundigen, wie es derzeit gehandhabt wird. In München etwa gibt es so etwas wie den München-Pass, der in diese Richtung geht. Man weiß es nur kaum.

Wie läuft es in anderen Städten? Schreibt es mir bitte! Oben rechts auf die Sprechblase klicken.

 

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BALLETT: Anna Karenina von Christian Spuck

Zugegeben, Ballett ist nicht Schwerpunkt dieses Blogs. Aber über den Tellerrand hinaus blicken, ist doch immer interessant. Und in Kürze folgt viel THEATER. Das Theatertreffen 2018 steht bevor! Und Tanz findet sich ja in heutiger Zeit auch immer wieder einmal in Theatern. Wenn auch nicht in derartiger Perfektion wie im Ballett. Anna Karenina von Lew Tolstoi wurde als Ballett im Bayerischen Nationaltheater in München auf die Bühne gebracht. Choreographie Christian Spuck. Was für ein anderes Erlebnis! Es wird in dieser Spielzeit noch einmal und dann in der kommenden Spielzeit das ein oder andere Mal zu sehen sein! Also, wer Interesse hat:

Den Roman Anna Karenina von Lew Tolstoi (man betont Karenina ja auf dem „e“) kann ich ja unbedingt empfehlen. Er gibt einen unglaublich detaillierten, vor allem nicht schwülstigen Einblick in das russische Leben zur damaligen Zeit. Und aus russischer Sicht den Blick auf das damals weltweit noch große Problem des Ehebruchs. Der Eifersucht, der Liebe, des Hasses, der Verzweiflung, der Konkurrenz, des Abgrundes, der gesellschaftlichen Erwartungen. Es endet ja tragisch.

Im Bayerischen Nationaltheater in München hat jetzt also – ich hatte die Chance, hinzugehen – Christian Spuck den 1000-Seiten-Roman als Ballett auf die Bühne gebracht. HIER ein Trailer. Und HIER (das kleinere Video rechts anklicken) ein Video mit Erläuterungen von Christian Spuck und den beiden „Protagonisten“ sowie weiteren Ausschnitten der Inszenierung. Ansehen! In den Videos sieht es fast kitschig aus, ich finde aber, Christian Spuck hat das Gespür, Kitsch zu vermeiden. Es wird Eleganz.

Ballett kann man „mögen oder nicht mögen“, finde ich, es ist nicht so diskursiv wie Theaterabende sein können. Ich hatte mich aber dennoch sehr darauf gefreut, denn:

Ich erinnerte mich: Als junger Student hatte ich tatsächlich (!) längere Zeit den Gedanken, das Gefühl, dass ich am liebsten Balletttänzer wäre! Nicht viele Worte, sondern Tanz, das hatte mir gefallen! Ich hatte ein Jahr in Lausanne studiert, dort erschien beim jährlichen Prix de Lausanne irgendwie auch der Ballettstar John Neumeier, ich glaube als Mitglied der Jury. Oder es gab einen John-Neumeier-Preis für den Nachwuchs. Aber für Ballett muss man ja schon als Kind mit Tanz beginnen. Tja, daraus ist leider nichts geworden. Knapp daneben, ich wurde Rechtsanwalt. Naja, das ist doch ähnlich, es ist eben Ballett mit Worten? Nein, es ist eher Fechten mit Worten, würde ich sagen!

Und es gab noch einen besonderen Grund, hinzugehen: Ich hatte im Blog zu Ostern über Christian Spuck geschrieben. Er hatte mit dem Staatsballett und dem Staatsorchester Zürich das Verdi-Requiem („Messa da Requiem“) als Ballett mit Chor inszeniert. Es wurde zusammen mit einer Dokumentation über Spucks Arbeit auf 3sat gesendet. Ich war damals wahrlich begeistert! Jetzt war er zur Münchner Ballettwoche 2018 eingeladen.

Also bin ich hin. Und, was soll ich sagen: Ich war baff! Es wäre anmaßend, wenn ich jetzt hier eine detaillierte Kritik mit Pros und Contras bringen würde! Aber: Erster Gedanke mit Blick durch das Nationaltheater: Es ist schon ein Privileg, ich möchte sagen: elitär, es zu erleben. Man sollte einmal pro Monat einen Abend für Harz IVler geben! Kunst sollte nicht elitär sein! Allein das extreme Erlebnis, danach aus dem Nationaltheater in einen lauen Frühlingsabend zu treten, Blick auf die Frauenkirche und die Maximilianstraße … . Das sollte eigentlich nicht immer nur Wohlhabenden vorbehalten sein.

Während der Aufführung – und danach – dann der Gedanke: Diese unglaubliche Eleganz des Balletts, diese unglaubliche Schönheit des Bühnenbildes, der gesamten Choreographie, der Kostümierung, der Farben, diese unglaublichen Leistungen der TänzerInnen, die so treffende russische Musik, all das erleben zu können. Alles hatte eine irre Leichtigkeit trotz des so schweren Lebens von Anna Karenina. Gut, sie lebte in feinen Kreisen. Die Musik brachte dabei generell russische Schwere hinein, fand ich. Aber genau das war passend! Allein das Zusammenspiel von Musik (Auswahl Christian Spuck) mit dem Tanz, der Choreographie, dem Russischen. Leichtigkeit und Schwere mischtern sich so den Abend hindurch. Beides in Formvollendung. Die Trailer oben lassen es erahnen.

Und dann noch die Überlegung: Man sitzt da und betrachtet einfach mal so Menschen, die allein mit phantastischen körperlichen Bewegungen, mit Tanz, etwas zum Ausdruck bringen. Das allein macht doch etwas mit einem! Man rutscht komplett weg vom banalen Alltag! Etwa der – für mich – beeindruckendste Tanz von Jonah Cook und Lauretta Summerscales als Kostja (Lewin) und Kitty, dem zweiten verliebten Paar, dem der Roman folgt. Es war der erste Tanz nach der Pause.

Es waren also völlig andere Eindrücke als bei einem Theaterbesuch, zwei Welten. Auch wenn es um die Geschichte eines Romans ging, was ja in beiden Vorführungsformen vorkommt. Beeindruckend allemal!

 

 

 

LITERATUR: Merce Rodoreda – Auf der Plaza del Diamant

Wieder etwas neben Allem: Mehr zufällig bin ich auf das Buch „Auf der Plaza del Diamant“ von Merce Rodoreda gestoßen. Ich hatte etwas völlig anderes erwartet. Gabriel Garcia Marquez sagte laut Buchdeckel:

Ich weiß nicht, wie oft ich den Roman wieder gelesen habe, und einige Male auf katalanisch, mit einer Mühe, die viel über meine Verehrung aussagt.

Und ebenfalls auf dem Buchdeckel steht ein Zitat von Roger Willemsen:

Wer nicht davon lassen kann, wie ich, beginnt nach dem Umblättern der letzten Seite gleich wieder mit der ersten.

Beides klang sehr vielversprechend. (Aber man weiß ja nie, ob solche Zitate nicht eher Goodwill – Aktionen gegenüber dem Verlag sind.)

Merce Rodoreda ist, habe ich gelernt, eine katalanische Schriftstellerin. Man sagt, sie sei „eine der bedeutendsten katalanischen Autorinnen des 20. Jahrhundert“, Der Roman „Auf der Placa del Diamant“ habe sie berühmt gemacht, er wurde in 20 Sprachen übersetzt. Geboren war sie 1908, gestorben am 13. April 1983, also vor fast genau 35 Jahren. Katalonien ist ja ganz aktuell momentan.

Etwas genauer: Sie wurde 1908 in Barcelona geboren, ihre ersten Bücher erschienen in den dreißiger Jahren, darunter der mit dem Preis Crexells ausgezeichnete Roman „Aloma“. Dann begann ein fast zwanzigjähriges Schweigen: Merce Rodoreda ging, wie viele republikanische Katalanen, ins Exil nach Paris, bis sie vor den deutschen Truppen in den unbesetzten Teil Frankreichs floh und schließlich nach Genf zog. Hier arbeitete sie als Übersetzerin für die Unesco und begann wieder zu schreiben. Es entstanden die Romane, die sie berühmt machten: „Auf der Plaça del Diamant“ und „Der zerbrochene Spiegel“. Merce Rodoreda starb 1983 in Girona.

Das Buch Auf der Plaza del Diamant hat mich dann überrascht, da der Schreibstil so simpel ist, wie ich es noch nie gelesen hatte. Ich wollte es fast weglegen. Es wird kaum ein Buch geben, in dem etwa öfter das Wort „und“ vorkommt, was nicht an der Übersetzung liegen wird. Und dennoch berührt das Buch. Mit einfachsten Worten beschreibt Rodoreda (ACHTUNG: Ab hier sollte nicht weiterlesen, wer es selber lesen will!) ihre Liebe zu einem jungen Mann, ihr Leben mit ihm, sie bekommen zwei Kinder, die Zeiten des großen Elends während des spanischen Bürgerkriegs, ihr Mann zieht in den Krieg, sie schildert ihren Verlust des Lebenswillens, will sich und die beiden Kinder schon fast umbringen, schildert den Verlust ihres Mannes und ihre „Flucht“ in die Ehe mit einem älteren Mann, den sie schon lange kennt. Es ist wie eine Rettung für sie und ihre Kinder. Ein letztlich sehr berührendes Buch, das gerade durch die Einfachheit der Sprache die Situation sehr nahe bringt.

Zu einer Leseprobe geht es HIER

THEATER: Toshiki Okada – No Sex

Toshiki Okada greift einen Aspekt auf: Man stellt in Japan fest, dass knapp 50 % der 18 bis 24-jährigen noch keinen Sex hatten. Hat sich (vielleicht nicht nur in Japan) das Verhältnis junger Menschen zum Sex verändert? Sicherlich, allein die vielfältigen Möglichkeiten und Beeinflussungen im Internet! Früher war es geradezu einmal spannend, ein Playboy-Heft in die Hand zu bekommen. Heute gewährt einem ein Klick im Internet Einblick in alles. Da ist es doch sehr angebracht, einmal über Entwicklungen nachzudenken. Offensichtlich gibt es in Japan bereits eine statistisch erwiesene Entwicklung.

No Sex“ von Toshiki Okada hatte am Samstagabend Premiere in den Kammerspielen. Es geht letztlich auch um die unausweichlichen Unterschiede zwischen Jung & Alt. Wir alle sind mal jung und mal alt. Eine Parabel fast auf die Welt der Münchner Kammerspiele.

Vier junge Männer kommen in eine Karaokebar und singen Lieder. Dazwischen unterhalten Sie sich. Alles wird von ihnen im Gespräch fein säuberlich völlig übertrieben analysiert, Emotionen gibt es nicht. Man liest im Programmheft auch etwa von Aspekten des Kapitalismus, der das Thema der Emotionen ausschlachtet. Werbeindustrie etc. Aber die Folge ist laut Okada gerade, dass sich die jungen Barbesucher dem Sex verweigern. Ist ja an sich seltsam: Einerseits geht es heute viel mehr um Selbstverwirklichung, andererseits – in Japan jedenfalls – weniger um Sex, Gefühlsaustausch. Es herrscht eine Abwehrhaltung geradezu. Vielleicht sind es besondere Aspekte in Japan. Das Verhalten der jungen Besucher wundert den Betreiber der Bar (Stefan Merki) und seine Reinigungskraft (Annette Paulmann). Sie besonders verteidigt herkömmliche kleine Aspekte der Liebe. Da können die jungen Besucher nur ungläubig und unwillig staunen.

Mein erstes Urteil, bevor ich es mir noch einmal anschauen:

Insgesamt ein – ich möchte sagen – „recht gelungenes“ Stück. Nicht aufwühlend, nicht „mit dem Finger in die Wunde“, wie es ein Milo Rau immer wieder macht, eher analysierend, eine eigentlich schreckliche Entwicklung in bekannter Situation darstellend, einen Aspekt aufgreifend, der ziemlich untergeht. Die Besonderheit war für mich an diesem Abend, dass ich garnicht alles beurteilen möchte. Es waren eher einzelne Teilaspekte der Inszenierung, die hervorstachen und denen ich auch gerne noch länger zugesehen hätte. Anderes war unbedeutend. Sehr gelungen war etwa die Besetzung. Stefan Merki und Annette Paulmann als die Alten und Franz Rogowski, Thomas Hauser, Christian Löber und Benjamin Radjaipour als das junge Team (das „cluster“). Man merkte, sie hatten Spaß. Ihre Zusammensetzung herrlich und jeder Einzelne war klasse. Gelungen – fand ich – waren die höchst absurden, aber fast philosophischen Unterhaltungen der jungen Menschen untereinander. Gelungen waren auch – fand ich – ihre höchst absurden Bewegungen (ähnliche Bewegungen zeigten die Schauspieler auch in Okadas Stück Hot Pepper, Air Conditioner and the Farewell Speech, das auch in den Kammerspielen lief). Allein, dass sie sich ständig verrenken, es aber keinen stört. Sehr gelungen – nein: außergewöhnlich stark! –   sind außerdem übrigens die Fotos im Programmheft! Sehenswert! (Urheber: Julian Baumann) Nicht besonders auffallend dagegen war der Versuch von Stefan Merki in der Rolle des Barbesitzers, sich dem Team der jungen Leute zu nähen, Sie zu verstehen. War recht zurückhaltend. Immerhin versuchte er es, nach all seiner Verunsicherung. Das ist ja immer wieder die fürchterliche Aufgabe der alten gegenüber den Jungen: Man kapselt sich schnell ab, wenn man nicht versucht, die Jungen zu verstehen. Siehe Kammerspiele und die Diskussion über die Intendanz von Matthias Lilienthal. Stefan Merki als Barbesitzer überlegte lange, wie er das Verhalten der Gruppe nennen könnte. Er nennt es letztlich „neu“. Immerhin nicht abwertend.

Ich hätte dem Stück aufgrund der genannten Aspekte noch lange zusehen können, ich verstand irgendwie beide Seiten. Mein erster Eindruck war aber auch: Okada hätte noch mehr aus dem Thema machen können.

Ich werde das Stück wieder ein zweites Mal ansehen – was ich ja immer empfehle – und dann mehr darüber schreiben oder den obigen Text ändern.

Copyright des Beitragsbildes: Julian Baumann

THEATER: Claus Peymann

Ein Tipp: SWR Mediathek und ARD Mediathek. Wenn man an die deutsche/deutschsprachige Theaterszene der letzten 50 Jahre denkt, muss man an den großen Theatermacher Klaus Peymann denken. Er wird im Juni  81 Jahre alt. Erst war er Theaterdirektor in Stuttgart, dann Intendant in Bochum, danach viele Jahre Intendant des Wiener Burgtheaters und dann bis Juli 2017 Intendant, künstlerischer Leiter, Geschäftsführer und Alleingesellschafter des BERLINER ENSEMBLES. Er galt ja jahrelang als der umstrittenste Theatermacher.

Die spektakulärste Begegnung seines Lebens sei, sagt er, diejenige mit Thomas Bernhard gewesen. Viele Stücke von Thomas Bernhard hatte er in den vergangenen Jahren uraufgeführt.

Auf SWR war letztens ein eineinhalbstündiges Porträt von Klaus Peymann zu sehen. Man kann es derzeit noch auf der Mediathek ansehen. Sein Lebensweg. Theater ist und war sein Leben. HIER der Link. Noch wenige Tage zu sehen!

Übrigens: Klaus Peymann kommt am 24.April 2018 in die Münchner Kammerspiele! Eine Lesung aus dem in Österreich damals verbotenen Buch „Holzfällen – Eine Erregung“ von Thomas Bernhard!

Copyright des Beitragsbildes: free use

THEATER AKTUELL: Chris Dercon

EILMELDUNG: Chris Dercon tritt mit sofortiger Wirkung als Intendant der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin zurück!

Man hat ihn fertig gemacht! Mein kleiner Kommentar dazu:

– Eigentlich liegt die Verantwortung – mindestens auch – beim jetzigen Regierenden Bürgermeister Berlins, unter dessen Ägide der damalige Kultursenator Tim Renner damals Chris Dercon geholt hatte. Dann muss man ihn auch machen lassen, finde ich. Jetzt haben sie, lese ich, einen neuen Kultursenator, von der Linkspartei, der erst einmal Dercon abserviert. Was ist das denn für ein Stil, ihn so abzuservieren! Er hätte volle Rückendeckung benötigt! Gut, ich lebe nicht in Berlin, es mag einige Versuche der Rückendeckung gegeben haben. Der Senat hätte intensiv mit den Berliner Theaterfreunden diskutieren müssen. Schließlich hatte Dercon so gute Personen wie Susanne Kennedy und Alexander Kluge an Bord! Wir sehen es ja gerade in München, dass eine Intendanz Zeit braucht.

– Eines ist doch klar: Chris Dercon hat Fähigkeiten, die nicht jeder hat. Haus der Kunst in München, Tate Gallery in London etc. Er hat in seinem Leben große Erfolge gehabt! Wie kann man ihn jetzt so fertig machen! Auch für die Berliner Theaterfreunde kein Ruhmesblatt! Darüber muss noch geredet werden, denke ich. Ihre Art. Das ging ja hin bis zu Kot an der Intendantentür, lese ich!

– Ich meine generell: Die Zeiten haben sich auch für die Volksbühne in Berlin geändert. Das Theater Volksbühne war ein Ost-Theater. Das Emblem OST stand immer auf dem Dach des Theaterbaus. Nach der Grenzöffnung wurde die Volksbühne berüchtigt! Auch und vor allem dank Frank Castorf. Die Zeiten haben sich aber geändert. Das Zeichen OST auf dem Dach ist abmontiert. Ost-West ist nicht mehr das Thema. Jedenfalls nicht mehr das prägende Thema für die Volksbühne. Auch die Volksbühne hat das Recht und die Aufgabe, sich der Welt zu öffnen, oder? Und dazu war ein Mann wie Chris Dercon durchaus geeignet, denke ich. Auch wenn sich damit das Programm der Volksbühne ganz entscheidend änderte. Aber wahrscheinlich haben die Fans der Volksbühne eine ganz andere Sicht auf die Volksbühne. Die Volksbühne als Lebensentwurf oder Lebensantwort oder Hort der Andersdenkenden oder was weiß ich. Gerade nicht mit der Aufgabe, sich einfach mal zu öffnen. Clash der Kulturen ist dem Volksbühnenfan zu wenig. Verstehe ich auch. Das ist ja fast schon Mainstream.

Übrigens: Ich habe von der Produktionsfirma des Filmes „Partisan“ eine Mitteilung bekommen: der Film „Partisan“ (es geht um 25 Jahre Castorf an der Volksbühne) wird am 14. Juni 2018 in München im HochX gezeigt! Ein Muss für Theaterfreunde!

 

THEATER: Shumona Sinha – Erschlagt die Armen

Es klingt im ersten Moment aggressiv und arrogant: „Erschlagt die Armen!“ So heißt das Stück, das derzeit auf der Bühne im Werkraum des Residenztheaters gezeigt wird. Es ist eine Inszenierung nach dem Buch „Assomons les pauvres“ der indisch-französischen Schriftstellerin Shumona Sinha. Das Buch hatte, liest man, bei seinem Erscheinen in Frankreich 2011 viel Aufsehen erregt. Es geht um das Asylsystem. Sinha hatte einige Jahre in Frankreich alles miterlebt, als Dolmetscherin in Asylverfahren gearbeitet. Nach dem Erscheinen des Buches hat sie ihren Job verloren.

Das Buch ist eine Art Rundumschlag gegen das letztlich verlogene Asylsystem. Aus der Sicht einer Dolmetscherin, die sich zwischen den Welten unwohl fühlt. Wut und Angst verspürt.

Warum der Titel? Er geht zurück auf ein gleichnamiges Prosagedicht von Charles Baudelaire, erschienen 1865. In dem Prosagedicht schlägt ein wohlsituierter Mann auf einen Bettler ein, der dann aber heftig zurückschlägt. Er zeigt sich ebenbürtig, was dem Mann wiederrum offenbar gefällt. Entweder deswegen oder um sich selber zu schützen, gibt er dem Bettler dann doch die Hälfte seines Geldes, er habe seine Würde bewiesen.

Zur Inszenierung: Ich mag Theaterabende, an denen wenige Schauspieler teilnehmen. Dieses Stück ist sogar ein Solostück. Noch dazu spielt Anna Drexler. Anna Drexler war längere Zeit an den Kammerspielen. Ich kenne und schätze sie aus einigen Auftritten. Ich muss sagen, ich wunderte mich etwas: Ich finde, sie kann noch mehr! Sie hat sehr viel Text, so ging vielleicht freie und deutlichere Spielweise flöten. Sehr schade, neue Facetten habe ich an ihr nicht gesehen. Irgendwie etwas zu einstudiert. Es war aber eben verdammt viel Text! Vielleicht passten auch das Bühnenbild und die Kostüme herum nicht zu ihr. Beides war sehr nüchtern. Auch das fand ich schade. Viele Neonröhren standen senkrecht um die schiefe Bühnenfläche herum. Grelles weißes Licht. Hautfarbener langweiliger Anzug. Viele Kopfhörer hängen von der Decke. Mehr war nicht. Nun ja. Wobei ich wahrlich nicht meine, das Bühnenbild müsse unbedingt viel aussagen!

Und zum Inhalt: Es war auch für den Zuschauer viel Text. Viele Aspekte, die man in dieser einstündigen Aufführung verarbeiten soll, was sicherlich an einem kurzen Abend schwerer fällt, als wenn man das Buch liest. Ich habe es nicht geschafft, allem zu folgen. Vielleicht lag es an mir. Zu Beginn zieht Anna Drexler – in ihrer Rolle als die Übersetzerin – eine Plastikfolie vom Theaterboden. Sie enthüllt damit die Doppelbödigkeit des Asylystems. Recht aussagekräftig ist folgende Textstelle (ich habe sie im Nachgang dem Sprechtext des Stückes entnommen):

„Ich hatte Lust, ihm (Anm: Herrn K., der die festgenommene Übersetzerin vernimmt, nachdem sie aus „Wut und Angst“ einem Asylsuchemden in der U-Bahn mit einer Flasche auf den Kopf geschlagen hatte) zu erzählen, wie ich gelernt hatte, das Elend zu meiden, mich auf dem Absatz umzudrehen, die Brücken hinter mir einzureißen. Ich hatte Lust, ihm zu sagen, dass diese Leute ihr Land verlassen wie Ratten ein untergehendes Schiff und dass ich sie insgeheim verstehen konnte.“

Hintergrund: Sie sieht in ihren Verfahren immer wieder, dass die Asylsuchenden Asylgründe nennen, aber eigentlich Wirtschaftsflüchtlinge sind. Lügensystem nennt sie das Asylsystem. Und die Härte der Beamten oder Richter – die die Wahrheit hören wollen – zerreißt die Dolmetscherin persönlich. Sie hat es geschafft. Sie hat Asyl bekommen. Ist damit aber getrennt von ihrer Heimat. Sie „hat die Tür zugeschlagen“. Sie ist nur andererseits auch nicht zu Hause dort, wo sie lebt. Und sie sieht und kennt die wirtschaftlichen oder ökologischen Notlagen der Asylsuchenden. Das ganze Asylsystem gehe an diesen Problemen vorbei, könnte es heißen. Damit hat die Übersetzerin ihr großes Problem.

Aber warum der Titel? Es bleibt – vor allem mit solchen Vorüberlegungen – ein sehenswertes Stück. Vielleicht spielt Anna Drexler im Laufe der Zeit auch noch intensiver. Sie neigt ja zu Zurückhaltung, was manchmal wunderbar ist.

THEATER: Werner Fritsch – Null

Nichts – Null

Das Nichts ist aber nicht nichts, es ist etwas, oder nicht? Bevor etwas beginnt, besteht vielleicht schon etwas? In der Bibel heißt es ja auch: „IM Anfang war das Wort, nicht AM Anfang“. Da war also schon was! Da war – laut Bibel – der Anfang, bevor es überhaupt anfing

Und Faust überlegt ja in Goethes „Faust“, ob im Anfang das Wort war oder die Tat oder was

Obwohl es ein großes Loch sein könnte, das Nichts. Wie die Null optisch

„Schicker Gürtel“ sagt dann die Null zur Acht

Auch das Jahr Christi Geburt trägt eigentlich die Ziffer NULL, wenn das nicht was ist!        Im Programmheft steht: Wir sagen zwar im Jahr 2000 „2000 Jahre nach Christi Geburt“, es sind aber erst 1999 Jahre. Man habe das Jahr seiner Geburt schon mit der Ziffer EINS belegt. Obwohl erst das Folgejahr das Jahr 1 nach Christi Geburt wäre – ich habe es nicht überprüft       

Das Nichts ist dann also mehr als große Leere, es ist große Freiheit. Camus sagte angeblich irgendwo: Abgesehen vom Tod ist das Leben vor allem eines, Freiheit         

Und mit der Freiheit im Nichts wollte Fritsch etwas machen, eine Annäherung an die Null

Die Theaterbühne nicht als Bühne für ein (klassisches) Stück, an dem man sich (Zuschauer, Schauspieler, Regisseur, alle) orientiert, sondern bloß für eine verrückte Annäherung an diese Null. An die Freiheit

Sich endlich einmal mit dem Nichts beschäftigen, nicht angestrengt und übertrieben mit irgendeinem mehr oder weniger sinnvollen Text

Obwohl Fritschs letzte Stücke „Pfusch“ und „Murmel Murmel“ auch schon Richtung Null gingen. Ich kann Fritsch aber gut verstehen, nach all den Jahren

Nichts ist irgendwann genauso viel wert wie Anderes, wir sind nur dazu verdammt, ständig aus dem Nichts etwas zu machen

Ein bunter Abend, ein Bühnenwerk, man kann sich nichtige Gedanken machen, auch grundsätzlich über das Leben

Erst einmal pendeln und schwingen alle an Seilen, im Nichts

Pastellfarbene Kostüme, knallige Farben dazu, Scheinwerferlicht, einer der Wahnsinne von Fritsch

Eine riesige mechanische Hand schwebt später über allem und eine gut 10 m hohe Table-Dance-Stange steht im Raum, mehr nicht, es genügt. Später kommt ein Gabelstapler hinzu

Die drei Gegenstände sind die einzigen Anzeichen dafür, dass etwas „ist“. Dass „etwas gemacht“ wird, dass „eingegriffen“ wird. Die Hand etwa will (ferngesteuert senkt und bewegt sie sich manchmal) eingreifen, tut sie aber nicht: Die Schauspieler suchen sogar Schutz unter ihr. Dann wirkt sie wieder bedrohlich. Der Mensch macht eben alles (kaputt)

Der Gabelstapler mit Warnblinker hat mehr Einsatz: Weil er so sinnlos ist, hebt er wenigstens einen Schauspieler auf etwa 8 m Höhe an die Table-Dance-Stange, was soll er auch machen. Der rutscht langsam wieder herunter auf den Boden des Nichts. So auch später eine andere Schauspielerin

Der Gabelstapler verschwindet auch einmal im Bühnenboden, kommt aber wieder hoch, und er führt fast einen Tanz auf. Etwas Sinnloseres könnte er kaum machen

Oder das Konzert mit den Blasinstrumenten, mit Dirigent. Wir erwarten ja immer viel, wir erwarten Musik, Töne. Es kommt aber nur Luft, kein einziger Ton. Und die Schauspieler verneigen sich später vor dem Publikum, präsentieren die Instrumente

Schön, dass man sich auch einmal mit nichts beschäftigt, es muss für die Schauspieler geradezu erfrischend sein

Auch als Zuschauer kann man den Abend erleichtert beenden. Man darf nur nichts erwarten. Und dann ein Glas Wein etwa, ein Gläschen vom guten Tropfen, null/eins oder null/zwei. Man hat nichts gesehen, das war doch was!

Herbert Fritsch hat an der Berliner Schaubühne also „NULL“ inszeniert! Ich hatte einmal – im Residenztheater München 2013: „Der Revisor“ – etwas von ihm gesehen, es aber vergessen. Also wurde es Zeit, hinzufahren. Er hatte jahrelang als Schauspieler (Ausbildung an der Schauspielschule der Kammerspiele, der Otto-Falckenberg-Schule) und später als Regisseur bis 2017 an der legendären Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz gearbeitet. Einer der großen Namen der Theaterwelt. Seine Stücke waren 2011 (zweifach) bis 2014 durchgehend sowie 2016 und 2017 (Abschiedsstück von der Volksbühne) zum Berliner Theatertreffen eingeladen!

Seine letzten Stücke hießen „Murmel Murmel“, “ Zeppelin“ und „Pfusch“. In Murmel Murmel wird eineinhalb Stunden lang nur das Wort Murmel gesprochen. Fast schon wie Null. Zeppelin ging auf Ödon von Horvath zurück und das Stück Pfusch war – wie so oft bei ihm – eine große Bühnenschau. Ein Abschied von der Volksbühne.

Wie das Stück NULL entstanden ist? „Ich hatte Null Ideen, was ich machen könnte“, war die Ausgangslage für seine jetzt zweite Arbeit an der Schaubühne. Vielleicht hat er wieder Kraft getankt für mehr?

Copyright des Beitragsbildes: Thomas Aurin

THEATER: Didier Eribon – Rückkehr nach Reims

Das Buch: Rückkehr nach Reims. Der Autor: Didier Eribon. An der Berliner Schaubühne gibt es derzeit das Theaterstück dazu. Gleicher Titel. Das Theaterstück ist zum Berliner Theatertreffen 2018 im Mai eingeladen. Die zehn bemerkenswertesten Stücke deutschsprachige Bühnen werden ja jedes Jahr dorthin eingeladen. Highlights des Jahres!

„Das Erstarken der rechten Politik ist ein Versagen der linken Politik“, ist die Kernaussage des Buches von Didier Eribon. Eribon schildert die Entwicklung aus der Beobachterperspektive am Beispiel Frankreichs, am Beispiel seiner Familie, am Beispiel des Aufkommens von Le Pen. Aber auch in Deutschland ist es – AfD – wohl ähnlich. Ein sehr aktuelles Thema: Mit was identifizieren sich diejenigen, die sich abgehängt fühlen? Warum mit den Rechten, den Nationalisten? Warum so nationalistisch?

Didier Eribon war schon Monate zuvor zu einem Gespräch über sein Buch an den Münchner Kammerspielen. Zusammen mit Edouard Louis, der – mindestens eine Generation jünger – aktuell ein sehr ähnliches Buch geschrieben hatte („Das Ende von Eddy“). Zum selben Thema.

Zum Buch: Es erregte in Frankreich großes Aufsehen und wurde vor wenigen Jahren ins Deutsche übersetzt. Eribon war in ärmlichen Verhältnissen in Reims aufgewachsen. Er – auch seine Homosexualität spricht er an – hat sich nach der schwierigen Kindheits- und Jugendzeit vom sozialen Status seiner Wohngegend und seiner Familie distanziert – vielleicht auch wegen seiner Homosexualität – und kam erst viel später nach Reims zurück. Vielleicht war es schlechtes Gewissen. Er sagt jedenfalls in der Inszenierung – die keine wortidentische Lesung aus dem Buch war -, dass sein kulturelles Leben natürlich auch elitär sei.

Zur Inszenierung: Eine sehr gelungene Mischung aus Dokumentation und Theater. Man sieht komplett durchgehend auf großer Leinwand über der Bühne einen Film zum Buch. Man erlebt damit – wohl wie im Buch – sehr Persönliches, sehr Konkretes von Didier Eribon über seine Jugend, seine Mutter, aeine Wohngegend und daneben insgesamt über die Arbeiterbewegung der vergangenen 50 Jahre, die Zeit der linken Regierungen in Europa (Mitterand, Schmidt, Schröder, Italien, Spanien etc). Gezeigt wird, dass die ursprünglich so systemkritischen Intentionen der „Arbeiterklasse“ – 68er Generation etc. – gerade dadurch vom System aufgesaugt und zerstört wurden, dass sie, die Linken, an die Regierung kamen und dann nur noch an „Schräubchen drehten“, über „Gerechtigkeit“ redeten etc. Ihr Vorgehen war nicht mehr systemkritisch.

Nina Hoss spielt weitgehend sich selbst. Sie erzählt am Ende auch von ihrem wahren Vater. Die Einfachheit der Inszenierung ist verblüffend, in einem Aufnahmestudio soll sie den Text zu einem Film über das Buch von Eribon sprechen, den man auf der Leinwand sieht. Von Zeit zu Zeit kommt der Aufnahmeleiter ins Studio – auf die offene Bühne – und beide reden über Aspekte des Buches. Als würden sie fast ohne „Vorgaben“ diskutieren, sehr gelungen.

Mein Eindruck nur: Ich war nach der Aufführung verunsichert. Sehr viel wird berichtet über die Generation der Eltern von Didier Eribon, ebenso über die Eltern von Nina Hoss – genauer: Über den Vater, der in der DDR eine kommunistische Ausbildung absolvierte. Doch meine Erachtens bleibt zu unberücksichtigt, dass es diese Arbeiterschicht der früheren Generationen so heute nicht mehr gibt. Die Themen der damaligen Arbeitermilieus haben sich doch leicht verändert. Es sind nicht mehr diese alten Arbeitermilieus, die jetzt Le Pen oder AfD wählen. Das ist ja das Problem der Linken! Die Probleme haben sich verlagert, weg vom Thema „Ausbeutung“. Es ist doch heute ein Gefühl des Abgehängtseins in vielen Situationen. Mehr „arm und reich“ statt „Arbeiter und Arbeitgeber“. Das mag Eribon auch so sehen, in der Inszenierung ist genau hier aber eine Lücke in der Diskussion. Insoweit kommt Eribon vielleicht doch etwas zu einfach von den damaligen Arbeiterschichten auf Le Pen und AfD. 

Insgesamt aber eine absolut lohnenswerte Inszenierung, das Thema brennt ja.

Copyright des Beitragsbildes: Arno Declair

 

POLITIK: mut

Wie oft hört man Sätze wie: „Es muss sich einiges ändern!“ Gut, die CSU möchte in Bayern offenbar lieber Ruhe haben und lehnt es beispielsweise ab, einem diskursiven Kopf wie Matthias Lilienthal den Intendantenvertrag bei den Münchner Kammerspielen zu verlängern (HIER die Meldung mit Kommentar).

Man will keinen Diskurs? Ich meine: Es gibt viele Themen, die nicht unbedingt wortlos der CSU überlassen werden müssen. Diskurs ist immer gut! Einiges sollte deutlicher zur Sprache kommen. Es ist einfach ein Zeichen der Zeit. Es geht darum, die Spaltung der Gesellschaft zwischen „arm“ und „reich“ aufzuhalten. Es darf keine „Verlierer“ geben. Und es geht darum, sich diesem europaweiten Rechtsruck in Politik und Gesellschaft  entgegenzustellen. Einiges ließe sich ja schwer zurückdrehen.

Also: Es hat sich kürzlich in Bayern die Partei mut gegründet – ich hatte schon einmal darüber geschrieben. Zur Partei mut wurde die ursprüngliche Bewegung „ZEIT ZU HANDELN“ durch Claudia Stamm, ehemalige Landtagsabgeordnete der GRÜNEN, und Stephan Lessenich, Professor für Soziologie. Sein interessantes und schonungsloses Buch „Neben uns die Sintflut“ stellte er vor einiger Zeit in den Kammerspielen vor.

In vielen Bereichen drohen soziale und menschenwürdige Gesichtspunkte „unter den Tisch zu fallen“ – auch angesichts des in manchen Bereichen schon sehr deutlich festzustellenden Rechtsrucks in Bayern! Wohnen, Altersarmut, Pflegesituation, Flüchtlinge, Arbeit, die Liste der Themen, in denen die politische Herangehensweise nicht mehr schön ist, ist lang. Viel lässt sich schlicht daran festmachen, dass wir uns vielleicht abgewöhnen, jedem Menschen in jeder Hinsicht sein großes Maß an Menschenwürde zuzugestehen. Daran gilt es zu arbeiten! Und man muss keine besondere politisch gefärbte Einstellung vor sich hertragen, um diese Themen beachten zu wollen.

Besucht einen der Stammtische oder der anderen Aktionen, die derzeit in Bayern von der Partei mut organisiert werden. HIER ein Überblick über alle aktuellen Termine. Etwa gibt es den Termin in München am 10. April 2018, 20.00 Uhr, (HIER der link): Ein Benefizabend mit Musik, Kabarett, Diskussion etc. im Fraunhofer – Theater. Politik und Kultur.

Claudia Stamm sagt:

mut hat sich gegründet, um Politik zu machen, die wirklich Wert auf Menschenwürde und Demokratie legt. Dem auch in Bayern festzustellenden Rechtsruck sollte man nicht tatenlos zusehen!Unser Ziel ist es dabei auch, diese Kraft in den bayerischen Landtag zu bringen. Unserer Meinung nach ist es wichtig, gerade in Bayern wieder eine politische Kraft zu haben, die sich klar und deutlich der teils menschenverachtenden Politik der Mehrheitspartei entgegenstellt.“

HIER DIE WEBSITE der Partei. Einfach ansehen und teilen – Facebook etc. Die Landtagswahl in Bayern rückt ja näher (Oktober).